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Das Hochzeitsdatum, das sich jeder merken kann

Das Hochzeitsdatum, das sich jeder merken kann

Der Elfte im Elften des Jahres 2011 lockte am Freitag 24 Paare in die zwei Trausäle im Rathaus.

Neuss. Sie haben an diesem Tag den Vogel abgeschossen. 11.11.11, 11.11 Uhr, markanter geht’s nicht für den Trau-Zeitpunkt. Patrizia und Michael Peiffer haben den Termin ergattert, warten im Trauzimmer des Standesamtes und haben sichtlich Spaß.

Er hat als Maskottchen einen Gartenzwerg im Gladbach-Outfit dabei. „Sieben Jahre haben wir zusammen überstanden“, sagt sie. „Jetzt ist es Zeit.“ Und er ergänzt, was an diesem Tag fast alle sagen: Das vergesse man eben nie — nicht nur die Heirat an sich, versteht sich, sondern eben auch das Datum. Diebisch freuen sich die beiden, dass sie (fast) alle Freunde und ihre Eltern überraschen werden. Keiner weiß vom Standesamt, und wenn sie dann am Nachmittag alle zum Kaffeetrinken kommen . . .

Zwei Zimmer weiter sitzt Harald Weber (Foto), einer von acht Standesbeamten, die an diesem Tag 24 Paare trauen. Ein prächtiger Strauß steht auf seinem Tisch — Geschenk eines türkischen Brautpaars am Morgen.

Viel Betrieb herrscht im Standesamt-Gang, ein Trauzimmer ist hier, in einem der Flure, die für Rathausbesucher zum Labyrinth entwickelt worden sind, einer ist das Sels-Zimmer, gleich neben dem Büro des Bürgermeisters. Immer wieder kommen Menschen, die offensichtlich zu einem Hochzeitstermin gehören, und fragen nach dem Weg. Dass mehrfach nach dem Rentenamt gesucht wird, hängt wohl mit dem Rathaus-Verwirrspiel und nicht mit dem närrischen Datum zusammen.

Noch einmal, darauf verweist Weber, gebe es im nächsten Jahr ein Schnapszahl-Datum — nach dem 12.12.12 ist dann lange, lange Pause. So schön wie das Elferdatum ist aber wohl keine andere Zahl.

Finden auch Bianca und Morris Cahill mit Töchterchen Amy, zumal Bianca noch Funkenmariechen bei der närrischen Pudelbande ist. Außerdem ist der Elfte im Elften „ihr“ Datum: Genau drei Jahre sind sie jetzt zusammen, „und seit eineinhalb Jahre ist klar, dass wir heiraten werden.“ Das finden offensichtlich viele Freunde und Bekannte gut, die Besuchergruppe ist wohl mit Abstand die größte an diesem Tag der Trauungen.

Nicht wenige Freunde und Familienangehörige begleiten auch Elvira Pajazity. Sie steht im Rathausfoyer, elegantes weißes Brautkleid, Brautstrauß in der Hand, die meisten anderen warten oben vor dem Sels-Zimmer — wo bleibt Bräutigam Ibraime? Stau, kein Parkplatz: Der Krammarkt bringt bei einigen Trauungen den Zeitplan durcheinander. „Elfter Elfter, das ist unsere Zahl“, sagt die Braut, die zunehmend nervös wird. „Kann denn nicht mal einer telefonieren?“, ruft sie nach oben. Und ein kleiner Fluch folgt. Aber bestimmt ist noch alles gutgegangen.