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Das hat Stil: Ein Essen ganz in Weiß

Das hat Stil: Ein Essen ganz in Weiß

Rund 40 Teilnehmer verabreden sich zum Diner en blanc, um an der Drususallee zu tafeln.

Neuss. Mitten in Neuss trafen sich am Samstagabend ganz in Weiß gekleidete Frauen und Männer. Dabei handelte es sich weder um eine Hochzeitsgesellschaft, noch um ein Sommerfest von Bediensteten der Neusser Kliniken. Vielmehr hatten sich rund 40 Gleichgesinnte im Internet verabredet, um nach französischem Vorbild an einem öffentlichen, bis zuletzt geheim gehaltenen Ort ein gemeinsames Festmahl zu veranstalten.

„Diner en blanc“ nennt sich diese Art des stilvollen Picknicks, das erstmals 1988 in Paris stattfand und seit zwei Jahren auch in Deutschland immer beliebter wird. Statt Picknickkorb und -decke wird bei diesem 3-Gänge-Menü groß aufgetischt. Plastikgeschirr ist ebenso verpönt wie Cola. Vielmehr tranken die vollkommen weiß gekleideten Männer und Frauen mitgebrachten Weißwein, Weißbier, eisgekühlten Champagner und erlesenes Mineralwasser.

Stil wird bei dieser Veranstaltung traditionell großgeschrieben. Kein Wunder also, dass aus mitgebrachten Klapptischen in Kürze eine weiße Tafel entstand, die mit Damast, goldenen Kelchen, Porzellangeschirr, antiken Kerzenständern und köstlichen Speisen opulent geschmückt war. Bezahlen können die Teilnehmer bei diesem Freiluft-Gelage übrigens nicht. Vielmehr hat jeder von ihnen Zutaten zum 3-Gänge-Menü wie Parmaschinken, Antipasti, Pralines und allerlei meist französische Köstlichkeiten zum gemeinsamen Verzehr mitgebracht.

Eine besondere Überraschung erlebte Christian: Völlig ahnungslos hatte seine Freundin die Party zu seinem 29. Geburtstag organisiert und alle Gäste zum „Diner en blanc“ gelotst.

Im Internet zu einer Diner-Party in der Öffentlichkeit aufzurufen, birgt Probleme. Doch der Platz wurde von den Neusser Veranstaltern, die anonym bleiben wollen, mit Bedacht gewählt. Zum einen wirkt der idyllische Park mit dem Springbrunnen an der Drususallee wie eine Miniaturausgabe einer Pariser Parkanlage. Zum anderen lag der Veranstaltungsort etwas abseits der Neusser City, sodass ein beschauliches Gartenfest auch ohne die eigentlich notwendigen Auflagen möglich war. Denn anders als bei Facebook-Partys, bei denen „versehentlich“ halb Deutschland eingeladen wird, blieb die Polizei bei dem Neusser „Diner en blanc“ nur kurz Zaungast.

Kay, der bereits die zwei Veranstaltungen in Düsseldorf genießen konnte, schätzt die familiäre Atmosphäre. Für ihn ist das Fest am schönsten, wenn die Dunkelheit hereinbricht und jeder der Anwesenden eine Wunderkerze entzündet.

Wer einmal selbst bei einem „Diner en blanc“ teilnehmen will, muss auf das nächste Jahr vertröstet werden. Doch alle Anwesenden an der langen weißen Tafel an der Drususallee waren sich sicher: Auch 2013 werden sie wieder an einem, bis zuletzt geheim gehaltenen Ort in Neuss gemeinsam speisen.