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Clemens-Sels-Museum: Von Hexen-Verfolgungen und vergessenen Relikten

Clemens-Sels-Museum: Von Hexen-Verfolgungen und vergessenen Relikten

Das Clemens-Sels-Museum hat die aktuelle Ausgabe des Jahrbuchs vorgestellt. Der Band hat 340 Seiten.

Neuss. Die Neusserin Catharina Halffmanns war 18 Jahre alt, als sie aufgrund des Verdachts der Hexerei festgenommen wurde. Ihr Prozess entwickelte sich 1677 zu einem Politikum, Bürgermeister und Vogt stritten sich darum, wer den Prozess gegen sie führen durfte. Letztlich konnte Catharina wohl fliehen, die genauen Umstände sind nicht überliefert.

Nachzulesen ist die Geschichte der jungen Frau im „Novaesium 2011“, der aktuellen Ausgabe des Jahrbuchs des Clemens-Sels-Museums. Das 340 Seiten starke Buch gibt jedoch nicht nur Einblicke in die Neusser Stadtgeschichte, sondern auch in die Bereiche Archäologie, Kunstgeschichte oder Denkmalpflege.

„Das Jahrbuch ist ein unverzichtbares Element für die Neusser Geschichte und für Forscher eine wichtige erste Quelle“, sagte Kulturdezernentin Christiane Zangs bei der Präsentation.

Die schlicht gehaltene, rubinrote Titelseite des Buches zeigt im rechten oberen Rand das alte Museum am Markt, das 1912 eröffnet und im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Im kommenden Jahr wird das Museum 100 Jahre alt. Die Titelseite zeigt, dass das große Ereignis jetzt schon ein Thema ist.

So hat sich zum Beispiel Stadtarchivleiter Jens Metzdorf in seinem Essay auf Spurensuche begeben und recherchiert, was mit den Relikten des alten Museums nach der Zerstörung passiert ist. „Das Museum war ein Steinbruch. Viele Stücke wurden später anderswo in der Stadt verarbeitet“, erzählte Jens Metzdorf.

Zangs appelliert in diesem Zusammenhang an die Bürger: „Viele haben damals Stücke aus dem Museum zur sicheren Aufbewahrung nach Hause mitgenommen. Jetzt wäre die Zeit, sie dem Museum zurück zu geben.“

Unter dem Titel „Zeitpunkt“ hat sich der Kunstkritiker Manfred Schwarz im ersten Kapitel des Buches dem Museum und seiner Bedeutung gewidmet. „Es ist toll für uns, von so einem bekannten Kritiker eine Bewertung zu bekommen“, sagte Museumsdirektorin Uta Husmeier-Schirlitz.