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Burnout: „Erschreckender Bedarf“ an Hilfsangeboten

Burnout: „Erschreckender Bedarf“ an Hilfsangeboten

St. Alexius-Krankenhaus und Initiative laden einmal im Monat zum Burnout-Café.

Neuss. Ein wissenschaftlich anerkanntes Krankheitsbild ist es nicht, dennoch ist Burnout in aller Munde. Immer mehr Menschen fühlen sich ausgebrannt, weil ihnen beruflicher und privater Stress über den Kopf steigt — wenn es überhaupt noch ein nennenswertes Privatleben gibt.

Vor rund drei Monaten haben das St. Alexius-/St. Josef-Krankenhaus und der Verein IFGL (Initiative für gesundes Leistungsklima) das etwas andere Burnout-Café an der Oberstraße 97 ins Leben gerufen. Einmal im Monat tauschen sich die Teilnehmer unter Anleitung von zwei Coaches aus, jeder Abend (immer ab 18.30 Uhr) steht unter einem anderen Thema — etwa Selbstzweifel oder Entschleunigung.

„Wir haben anfangs gedacht, wenn acht Personen kommen, wäre das ganz gut“, sagt der IFGL-Vorsitzende Thomas Grünschläger, der zusammen mit Beate Mies die Treffen leitet. Das war tiefgestapelt, wie sich herausstellen sollte. Inzwischen hat sich die Teilnehmerzahl bei rund 30 eingependelt. „Wir freuen uns, dass das Angebot so gut angenommen wird. Ein derartiger Bedarf ist aber natürlich auch erschreckend“, sagt Grünschläger.

„Jetzt sage ich Nein!“ lautete das Thema in dieser Woche. „Plötzlich hat man das Gefühl dafür verloren, eigene Bedürfnisse zu formulieren. Man tanzt nur noch nach der Nase anderer, die einen ausnutzen, auch weil sie wissen: Der ist doch zuverlässig, der macht das“, konkretisiert Beate Mies ein Szenario, das zum Burnout führen kann. Die Teilnehmer würden nach den Treffen sicherlich nicht die Welt mit ganz anderen Augen sehen. „Der Austausch hilft ihnen aber enorm, das haben auch die Feedback-Bögen gezeigt.“

Es gebe für die Coaches nicht das Allheilmittel, einem Betroffenen zu helfen, „dafür ist allein schon die Gruppe viel zu groß“, sagt Mies. Aber es entwickele sich im Verlauf der Gespräche ein Prozess, der den Teilnehmern ein Ventil bietet, sich angestauten Frust von der Seele zu reden. „Und das setzt einen Impuls frei, sich dem Problem nicht nur offen zu stellen, sondern auch eine Änderung herbeiführen zu wollen“, erklärt die IFGL-Geschäftsführerin.

Das Alexius war nicht nur Mitinitiator, sondern bietet mit dem Netzwerk-Café an der Oberstraße auch die Räume. Das Burnout-Café ist ein Mosaikstein des Forschungsprojekts „Präventionsnetzwerk Burnout-Region Mittlerer Niederrhein“ der Augustinus-Kliniken. Innerhalb dieses Netzwerkes sollen alle Beteiligten — von betroffenen Unternehmen über den niedergelassenen Ärzten bis hin zu den Krankenversicherungen — gemeinsam Strukturen schaffen, Burnout zu wirksam bekämpfen.