Bürgerhaus Erfttal: Am liebsten Hausmannskost

Bürgerhaus Erfttal: Am liebsten Hausmannskost

Mütter, die alleinerziehend sind, bekommen im Bürgerhaus eine berufliche Chance.

Neuss. Mittwoch ist Eintopf-Tag im Bürgerhaus Erfttal. Schon im Flur duftet es nach Suppe. In der Küche steht Heike Ledwon am dampfenden Topf. „Heute gibt es Graupensuppe“, sagt sie und schöpft mit einer großen Kelle einen Teller nach dem anderen voll.

Heike Ledwon, alleinerziehende Mutter von zwei Teenagern, ist eine von fünf Teilzeitkräften, die täglich für etwa 20 Menschen kochen. Jahrelang war die Fachverkäuferin arbeitslos. Seit einem Jahr hat sie die Teilzeitstelle im Bürgerhaus. „Ich genieße die Arbeit hier“, sagt die Norferin, die in Erfttal aufgewachsen ist. „Vor allem der Umgang miteinander gefällt mir sehr.“

Elfriede Bräuer isst genüsslich ihren Eintopf. Die 89-Jährige kommt zum Mittagessen ins Bürgerhaus, seit der Mittagstisch in den 90er Jahren startete — damals einmal wöchentlich. 2008 wurde das Angebot auf drei Tage in der Woche ausgeweitet, 2012 dann auf fünf.

Seit einigen Jahren übernehmen alleinerziehende Mütter, die noch nie oder lange keine versicherungspflichtige Arbeit ausgeübt haben, die Bewirtung. Das Jobcenter bezuschusst die Maßnahme. Fünf Mütter arbeiten nun in der Küche.

Für sie beginnt der Tag um 9 Uhr. Da sich jeder Gast am Tag vorher anmeldet, wissen die Köchinnen, wieviel sie kochen müssen. Dann wird eingekauft und losgelegt. „Wir können auch mal was ausprobieren. Am liebsten essen unsere Gäste aber deutsche Hausmannskost. Was sie von früher kennen“, sagt Heike Ledwon.

Um 12 Uhr ist die Cafeteria voll besetzt. An den Tischen sitzen etwa ein dutzend Gäste, die munter miteinander plaudern. Vor allem die Erfttaler Senioren nehmen den Mittagstisch dankend an.

„Man muss nicht so oft einkaufen gehen, keine schweren Tüten schleppen und sich keine Gedanken machen, was man kocht“, sagt Teresa Zawadzki (78), die regelmäßig mit ihrem Mann Karlheinz den Mittagstisch nutzt. „Wir kommen her, weil wir keine Lust haben, immer allein zu Hause zu essen“, sagt Eva Hinz (82).

Das Bürgerhaus ist für viele Senioren in Erfttal Lebensmittelpunkt geworden. Eva Hinzes Mann Lothar kommt noch regelmäßig zum Skatspielen, ab und zu besuchen beide das Tanzcafé. Nach dem Mittagessen, das man auch abholen kann, nehmen viele noch Kuchen für den Nachmittag mit. Auch den backen die Frauen aus der Küche frisch und bieten so ein zusätzliches Angebot: Eine Bäckerei gibt es in Erfttal nicht.

Der bittere Beigeschmack bei dem gelungenen Projekt: Die Stellen der Frauen sind auf zwei Jahre befristet und laufen in einem Jahr aus. Koordinatorin Christa Ripkens will dann neue Anträge beim Arbeitsamt stellen.

Für Heike Ledwon und ihre Kolleginnen bedeutet das: Bewerbungen schreiben. „Ich würde gerne weiterhin in der Küche arbeiten“, sagt Ledwon. „Ich habe viel gelernt und Spaß an der Arbeit.“ Dann wird sich zeigen, ob die Maßnahme für sie ein Wiedereinstieg in den Beruf war.

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