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Brot-Spektakel rund ums Schloss

Brot-Spektakel rund ums Schloss

Druidenbrot und Kappeswoosch waren die Spezialitäten auf dem Brotmarkt.

Grevenbroich. "Vergangenes Jahr war ich zu spät", sagt Maria Überschäer: "Ich hatte mich so auf das frisch gebackene Holzofen-Brot gefreut - und dann war alles ausverkauft!" Das sollte der Besucherin des Brotmarktes nicht noch einmal passieren. Am Sonntag machte sie sich bereits am Vormittag auf den Weg zum Schaubacken vor dem Schloss - mit Erfolg. Dass auch der dritte Hülchrather Brotmarkt ein Publikumsrenner werden würde, zeichnete sich schon in den ersten Stunden ab.

Bereits bei der Premiere 2006 hatte der Andrang von 10 000 Besuchern die Erwartungen um das Fünffache übertroffen und Organisatoren sowie Stromnetz auf eine harte Probe gestellt.

Ein Stromaggregat des RWE sorgte im Folgejahr für den nötigen Saft. Zum diesjährigen dritten Brotmarkt hatten die Veranstalter, die Bäcker- und Konditoren-Innung und die Fleischer-Innung, weiter aufgerüstet, die Fläche fürs Schaubacken verdoppelt und einen zweiten Backofen hergeschafft.

Die Planung zahlte sich aus: In der vergleichsweise entspannten Atmosphäre blieb immer wieder Zeit für Gespräche mit den Besuchern.

Warum man denn in Deutschland nur so selten echte, knusprige Baguettes bekomme, will einer wissen. Es liegt an der Rezeptur und an der Herstellungsweise, weiß Bäckermeister Jakob Andeler. "Aber ich kann die ihnen auch backen. Einfach bestellen." Flexibel auf Kundenwünsche einzugehen, fachkundig zu beraten und stets neue Gaumen-Erlebnisse zu kreieren, darin sieht der Bäckermeister aus Mönchengladbach die große Stärke der kleinen Bäckereien.

Auf dem Brotmarkt wollen sie zeigen, was sie den Dumping-Preisen von Großbäckereien und Supermärkten voraus haben. Als Argumente zum Schmecken präsentieren sie das "Druidenbrot" mit vielen Kräutern und die "Nüsser Kappeswoosch", eine Wurst mit Sauerkraut.

Neben der Billig-Konkurrenz machen steigende Rohstoff- und Energiepreise den Kleinbetrieben zu schaffen, klagt Andeler: "Wie eine 28-prozentige Gaspreis-Erhöhung bei einer Stromrechnung von 1800 Euro zu Buche schlägt, kann sich jeder ausrechnen."

Rund 60 kleine Bäckereien gibt es noch im Kreisgebiet, aber die Zahlen sind rückläufig. Und mit jedem Kleinbetrieb verschwinden Arbeitsplätze, betont Jakob Andeler. Bis zu 15 Betrieben haben in den letzten zwei Jahren aufgegeben. Andeler: "Wenn die kleinen Bäckereien verschwunden sind, gibt es nur noch Einheitsmatsch zu kaufen."