1. NRW
  2. Rhein-Kreis Neuss
  3. Neuss

Brillantes Geigenspiel im Zeughaus

Brillantes Geigenspiel im Zeughaus

Stargeigerin Julia Fischer begeisterte auch bei ihrem zweiten Neusser Auftritt.

Neuss. Krankheitsbedingt hatte Stargeigerin Julia Fischer ihren Auftritt im Zeughaus um eine Woche verschieben müssen. Um so größer war die Freude bei den Musikfreunden, dass sie die „Koryphäe unter den deutschen Geigerinnen“ jetzt doch erleben durften.

Wie bei ihrem umjubelten Auftritt im November 2008 wurde Julia Fischer wieder zum Saisonabschluss von der ukrainischen Pianistin Milana Chernyavska begleitet, und wie bei der Neusser Duo-Premiere begannen die beiden auch diesmal mit einer Mozart-Sonate.

Die B-Dur-Violinsonate KV 454 bot den temperamentvollen Musikerinnen beste Gelegenheit zu demonstrieren, wie kunstvoll in der klassischen Violinsonate die beiden Instrumente verbunden sind — und dass sie, wie es der im Programmheft zitierte Carl Friedrich Cramer zusammenfasste, „einen ebenso fertigen Violin- als auch Clavier-Spieler erfordern“.

Von den ersten Takten des Largo an war deutlich, dass hier ein perfekt aufeinander eingespieltes Duo in unaufgeregter Routine und dabei mit erfrischender Lust am Musizieren agierte. Julia Fischer, im schlichten dunkelroten Abendkleid, meisterte Mozarts Sonate klar, perfekt und deutlich.

Die Klanggestaltung reichte vom gehauchten Pianissimo bis zum leuchtenden Forte, Phrasierungen wurden mit höchster Exaktheit ausgeführt, ruhig gezogene Töne und gleichmäßige Passagen bescherten Zuhörern im ausverkauften Saal einen fast sinnlichen Genuss. Die „Größe“ des Werks wurde von Milana Chernyavska ausdrucksstark und mit sattem Pathos unterstrichen.

Nach diesem überzeugenden Auftakt brachte das Programm mit einem brillanten Schubert-Rondo, einer geistreichen Interpretation von Debussys g-Moll-Sonate und der farbenreichen ersten Violinsonate von Saint-Saëns als krönendem Abschluss eine klangliche wie dramaturgische Steigerung, der die Stimmung im Saal willig folgte.

Bereits zur Pause hatte es Bravorufe gegeben, nach den beiden Zugaben von Tschaikowsky und Ysa e wurden die Künstlerinnen mit frenetischem Applaus und Standing Ovations verabschiedet.