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Brautmeier ist der neue CDU-Chef

Brautmeier ist der neue CDU-Chef

Die Mitglieder der Ortspartei wählten den 64-jährigen Jürgen Brautmeier zum Nachfolger Jörg Geerlings’.

Neuss. Mit 189 von 264 gültigen Stimmen (71,6 Prozent) setzte sich am späten Dienstagabend Jürgen Brautmeier (64) als neuer CDU-Vorsitzender in Neuss gegen Sebastian Rosen (43) durch. Auf den Stadtverordneten Rosen, der betonte, kein Übergangskandidat sein zu wollen, entfielen 75 Stimmen.

Brautmeier hatte in seiner Vorstellungsrede gleich bekannt: Ein Amt oder Mandat in der Kommunalpolitik hatte er in 37 Jahren Parteimitgliedschaft noch nie. Dass er nun für den Vorsitz kandidiert, sei in der Sache begründet und nicht im Streben nach Ämtern. „Ich will die Kommunalwahl im Jahr 2020 mit und für die CDU gewinnen und das Rathaus zurückerobern“, sagte Brautmeier unter dem tosenden Applaus der Mitglieder im Thomas-Morus-Haus. „Das ist meine Motivation.“

Der Uedesheimer, der 2017 Chef der erfolgreichen Landtags- und Bundestagskampagne von Jörg Geerlings und Hermann Gröhe war, präsentierte ein Programm, das auf einem Bierdeckel Platz hätte: Er will (erstens) die Partei öffnen. Denn derzeit, so Brautmeiers Analyse, würden die Volksparteien bundesweit und damit auch in Neuss zu wenig erkennen lassen, dass sie die Alltagsanliegen der Menschen verstehen. Die Programmdebatte, die deshalb in der Union geführt werden müsse, will er mit der Neusser CDU von der Basis her befeuern. Zweitens nimmt er sich vor, „den Umgang miteinander vernünftig zu organisieren“ und gab als drittes Ziel eine personelle und inhaltliche Vorbereitung der Kommunalwahl 2020 aus. Er selbst, sagte er, habe in Sachen Kandidatur keinerlei Ambitionen. „Für mich ist das Amt des Vorsitzenden kein Durchlauferhitzer.“

Brautmeier folgt im Amt auf den Landtagsabgeordneten Jörg Geerlings, der sich nach 13 Jahren nicht mehr zur Wiederwahl stellte, gleichwohl 2020 wieder als Kandidat für den Stadtrat zur Verfügung stehen will. Geerlings griff in seinem Rechenschaftsbericht vor allem die Arbeit an dem Positionspapier „Zukunft 2020“ heraus, mit dem sich die Partei auch unter dem Eindruck der verlorenen Bürgermeisterwahl 2015 programmatisch neu aufgestellt hat. Auch wenn noch einiges daran zu tun sei, „sind und bleiben wir in Neuss die Partei mit dem Gelben Trikot“, sagte Geerlings, der auch Richtung SPD und ihres Bürgermeisters austeilte. Reiner Breuer, sagte Geerlings, habe für die Stadt bisher wenig erreicht und falle vor allem als Zauderer auf. „Unser Alt-Bürgermeister Herbert Napp trifft als Pensionär täglich mehr Entscheidungen als der Bürgermeister“, sagte Geerlings.

Dass es für ihn nach 13 Jahren ein bewegender Abschied von seinem Amt wurde, lag nicht zuletzt an Alt-Parlamentarier Heinz Günther Hüsch, der dem mitunter auch kritisierten Vorsitzenden das beste Zeugnis ausstellte: Geerlings, einer der dienstältesten Vorsitzenden in 73 Jahren Neusser CDU-Geschichte, habe das Ehrenamt des Vorsitzenden ehrenhaft ausgefüllt.