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Brandopfer beklagt mangelnde Hilfe

Brandopfer beklagt mangelnde Hilfe

Alfred Welskop (77) verlor seine Frau und seine Wohnung bei einem Brand. Die Stadt habe sich nicht bei ihm gemeldet.

Grevenbroich. Die Betroffenheit im Rat war groß, als Alfred Welskop in der Einwohnerfragestunde von den Folgen des Zimmerbrandes an der Schillerstraße berichtete. Der 77-Jährige, der bei dem Feuer seine kranke Frau verloren hat, kämpfte mit den Tränen. „Ich wusste nach dem Brand nicht, wo ich unterkommen sollte. Ich habe kein Hilfsangebot der Stadt erhalten. Und ich hätte auch ein Beileidsschreiben des Bürgermeisters erwartet“, sagte Alfred Welskop. „Ich fühlte mich vergessen.“ Er denkt nun an andere, die in eine ähnlich schlimme Situation geraten könnten. Seine Forderung: „Eine Anlaufstelle für Notfälle, eine Kontaktperson“, die Hilfe vermittle und fürs Nötigste sorge — Unterbringung und Kleidung etwa.

Alfred Welskop hat fast alles verloren. Mehrere Stunden kämpften 30 Feuerwehrleute gegen die Flammen im Einfamilienhaus. Der 77-Jährige befand sich beim Ausbruch des Feuers im Obergeschoss, rannte hinunter. „Ich sah meine Frau in den Flammen, ich wollte sie retten, aber es ging nicht mehr.“ Welskop kroch wegen des dichten Rauchs in Richtung Haustür, gelangte hinaus.

Mit Rauchgasvergiftung kam er — „in Schlafanzug und Pantoffeln“ — für eine Woche ins Krankenhaus, Drei Tage lag er auf Intensivstation. Dankbar ist der frühere Kreismitarbeiter über die seelsorgerische Betreuung der beiden Pfarrer Breu und Schmitz. Doch während seines Klinikaufenthalts und danach gab es für Welskop und seinen Sohn Christoph (52) etliches zu klären.

Die Versicherung wurde eingeschaltet, Dokumente mussten besorgt, eine Bleibe organisiert werden. „Das Haus ist unbewohnbar. Ich bekam jede Menge Telefonnummern, bat um Rückruf, doch wenn ich zur Untersuchung musste, war ich nicht erreichbar“, schildert er. Schließlich fand er eine Unterkunft in einer Pension in Neukirchen. In vier, fünf Monaten könne er nach der Sanierung in sein Haus zurück. Personalausweis und Familienbuch hatten den Brand überdauert, andere Dokumente nicht. Beim Finanzamt habe eine Mitarbeiterin gesagt, dass er seine Identifikationsnummer gut verwahren müsse. „,Ich bin ausgebrannt’, habe ich geantwortet“, schildert Alfred Welskop, Er vermisse die Hilfe der Stadt, einen Ansprechpartner, der weiterhilft — und Anteilnahme aus dem Rathaus. „Das hätte mir ein wenig geholfen“.

Bürgermeister Klaus Krützen, der Welskop jetzt zum Gespräch eingeladen hat, räumte im Rat „selbstkritisch“ ein, „dass ich in diesem Fall persönlich ein Beileidsschreiben hätte verfassen können“. Er betonte, dass die Stadt Betroffene keineswegs alleinlasse. „Beim Brand in Neurath, bei dem ein Mann starb, haben wir für die übrigen Bewohner sofort eine Unterkunft und anderes besorgt. Nach dem Brand in Orken hatten wir kein Signal, dass Herr Welskop wieder aus dem Krankenhaus war“, sagte Krützen. „Wir werden überlegen, ob wir mit Krankenhäusern, Hilfsorganisationen, Kirchen und anderen ein Netzwerk knüpfen, um unbürokratische Hilfe zu leisten. Das ist eine gesellschaftliche Aufgabe, keine der Stadt allein.“