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Besuch im Fundbüro: Keller der verlorenen Räder

Besuch im Fundbüro: Keller der verlorenen Räder

Skier, Schmuck und Handys, aber auch Gebisse werden abgegeben.

Neuss. Die Fundsachen der Stadt sind gut verschlossen in den Katakomben des Rathauses untergebracht. Hinter einer mannshohen Absperrung und vielen Sicherheitstüren stehen fast 100 Fahrräder in Reih und Glied. In knapp einem Monat werden sie versteigert, wenn sich der Eigentümer nicht gemeldet hat.

Neben den Rädern, die in Neuss etwa 80 Prozent der Fundsachen ausmachen, liegen blaue Säcke, vollgestopft mit Jacken, Schals und Schuhen. „Man wundert sich schon, wie die Leute ohne Schuhe nach Hause gekommen sein müssen“, sagt Verena Meurer, Mitarbeiterin im Fundbüro, das an das Bürgeramt angeschlossen ist.

Eine Besonderheit im Fundbüro sind die vielen Skisachen. „Häufig bekommen wir eben Fundsachen aus der Skihalle“, sagt Meurer. Skier, Skischuhe und Stöcke sind da keine Seltenheit. Von einem nagelneuen Motorroller mit null Kilometern auf dem Tacho über einen Flipperautomaten bis hin zu einem Gebiss, das Anfang des Jahres abgegeben wurde, haben Amtsleiter Christoph Noeppel und seine Kollegen schon alles gesehen. Hochwertige Stücke wie Schmuck, Handys oder Kameras werden im Tresor eingeschlossen.

Zu den Fundsachen, die direkt bei der Stadt abgegeben werden, kommen noch Lieferungen von der Polizei und den Stadtwerken. Die SWN schicken ihre Fundstücke aus Bussen, Bädern und der Eissporthalle nach Ablauf einer Frist zur Stadt.

„Nur etwa 40 Prozent der Fundsachen werden vom Eigentümer wieder abgeholt“, sagt Verena Meurer. „Die meisten kaufen sich wohl lieber etwas Neues, als sich die Mühe zu machen, ihr Fahrrad bei uns abzuholen.“

Und wenn etwas in der Straßenbahn liegenbleibt? Dann trifft es mit etwas Glück früher oder später bei Marieluise Horn im Fundbüro der Rheinbahn ein. Über Skurriles wie eine im Bus vergessene Beinprothese, einen Rollator oder auch einen Rollstuhl wundert sie sich nicht mehr. Was hier nach sechs Wochen nicht abgeholt wird, schickt Horn an die Ämter der Städte. Zweimal im Jahr findet auch bei der Rheinbahn eine Versteigerung statt.

Grundsätzlich hat, wenn sich der Besitzer der Fundsache nach sechs Monaten nicht meldet, entweder der Finder einen Rechtsanspruch auf den Gegenstand, oder die Fundsache geht in die Versteigerung. „Kleidung spenden wir meistens an die Caritas“, sagt Amtsleiter Noeppel. Andere Dinge wie etwa Gebisse oder der Lebensmitteleinkauf werden vernichtet.