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Bestattungen: Der Trend geht zur Urne

Bestattungen: Der Trend geht zur Urne

Die Zahl der Urnenbestattungen ist auf das Doppelte gestiegen. Flächen auf Friedhöfen könnten umgenutzt werden.

Neuss. Die Zahlen, die Hans-Joachim Schrödter von der städtischen Friedhofsverwaltung vorliegen, sprechen für sich: „Der Trend geht zum Urnengrab“, sagt Schrödter. Während 1987 noch weniger als zehn Prozent der Beisetzungen mit Urnen durchgeführt wurden, waren es im Jahr 2000 mehr als doppelt so viele. Seit der Jahrtausendwende ist die Zahl sprunghaft auf mehr als 40 Prozent angestiegen: 2010 wurden von 1274 Beerdigungen 497 mit Urnen durchgeführt.

Dafür gibt es laut Schrödter zwei Gründe: „Die Menschen wollen erstens kleinere Grabstätten, und zweitens wollen sie ihren Hinterbliebenen weniger Arbeit hinterlassen.“ Zum Vergleich: Ein Einzelgrab mit Sarg belegt eine Fläche von 1,30 mal 2,60 Meter — in ein Familienurnengrab passen auf einen Quadratmeter vier Urnen. Der Preis für die Urnenbestattung, der zwar unter jenem der Erdbestattung liegt, sei weniger ausschlaggebend, als der Aufwand, der für die Pflege betrieben werden muss.

Die Verkleinerung der Grabflächen wird auf Dauer Auswirkungen auf die Ausbreitung von Friedhöfen haben. Heute gibt es im Stadtgebiet noch 85 Hektar Friedhofsfläche. Weil weniger Platz benötigt wird, könnten Vorhalteflächen, die nicht belegt sind, umgenutzt werden.

„In den 1960er Jahren ist der Bedarf überschätzt worden, weil die Entwicklung so nicht abzusehen war. Wir versuchen, nicht benötigte Flächen konstruktiv zu nutzen“, sagt Schrödter. Auf den Friedhöfen selbst werde das im Kleinen schon gemacht, indem durch Bankplätze oder Rasenflächen die Stätten attraktiver gemacht werden und Parkcharakter erhalten.

Umstrukturierungen sind nicht selten. Zum Beispiel, als sich vor 40 Jahren die Form der anonymen Bestattungen entwickelte, die allerdings den Nachteil hat, dass Angehörige nicht bei der Beerdigung dabei sein dürfen. Deshalb legten viele Gemeinden Rasengemeinschaftsanlagen an. „Dort ist keine Pflege nötig, aber es kann weiterhin wichtige Trauerbewältigung stattfinden“, sagt Hans-Joachim Schrödter. In Neuss werden an Gemeinschaftsanlagen Stelen mit dem Namen und den Lebensdaten des Verstorbenen aufgestellt.

Die katholische Kirche duldet Feuerbestattungen bereits seit einiger Zeit. „Früher galt die Erdbestattung als Zeichen für den Glauben an Auferstehung mit Leib und Seele. Feuerbestattung hingegen bedeutete Nichtglauben. Das ist heute nicht mehr so“, sagt Monsignore Wilfried Korfmacher, Pfarrvikar der Kirchengemeinde St. Marien.