Bayer zeigt Longerich Grenzen auf

Bayer zeigt Longerich Grenzen auf

Handball-Drittligist gewinnt das Derby überraschend deutlich mit 29:20. Korschenbroich empfängt heute TuS Ferndorf.

Dormagen. Karneval wird im Bayer-Sportcenter erst heute gefeiert. Janis Boieck ließ es freilich schon nach der aus diesem Grund auf Mittwochabend vorgezogenen Partie gegen den Longericher SC ordentlich krachen — seine „Humba“-Version stünde jeder Prunksitzung gut zu Gesicht. Der Schlussmann des Handball-Drittligisten TSV Bayer Dormagen hatte allen Grund zur ausgelassenen Fröhlichkeit: Mit 16 Paraden war der 19-Jährige ein Grund, weshalb das mit Spannung erwartete Lokalderby zu einer höchst einseitigen Angelegenheit wurde. Vor 1192 Zuschauern setzte sich Dormagen mit 29:20 (13:8) durch.

Mit seiner bislang besten Saisonleistung wies der TSV nicht nur den zuletzt in sieben Spielen in Folge unbesiegten Nachbarn in die Schranken. Mit einer taktisch reifen, disziplinierten und (bis auf die Schlussminuten) konzentrierten Vorstellung wehrten sich die Hausherren gegen das Abrutschen ins Mittelmaß und demonstrierten, dass sie zu Recht auf Tabellenplatz zwei stehen.

Dabei hing alles an gerade mal zehn Minuten im Abschlusstraining. Die überzeugten Coach Ulli Kriebel davon, es im Lokalderby mit der eher ungewöhnlichen, im Endeffekt aber höchst erfolgreichen Variante einer offensiv ausgerichteten 4:2-Deckungsformation zu probieren, die die Longericher Leistungsträger Benjamin Richter und Daniel Koenen bereits an der Mittellinie in Empfang nahm.

„Weil das im Training vorher nicht wirklich gut funktioniert hat“, wollte der Dormagener Trainer seine Idee eigentlich schon zu den Akten nehmen. Zum Glück für den TSV Bayer tat er es nicht. „Die offensive Deckung hat uns arg gestört, so kamen wir nicht in den richtigen Flow“, gab Longerichs Trainer Chris Stark mit kölschem Understatement zu. Er hätte auch sagen können: Uns fiel dagegen nichts ein. Der Einsatz eines siebten Feldspielers oder die Taktik, Lukas Stutzke nach der Pause in Manndeckung zu nehmen, brachten die Bayer-Handballer jeweils nur kurzzeitig aus dem Rhythmus.

Ihren „Flow“ hätte höchstens Valentin Inzenhofer nachhaltig stoppen können. Der Longericher Torhüter hielt gut (zwölf Paraden). Doch Janis Boieck hielt besser und verschaffte den Gastgebern einen Vorteil auf einer Position, auf der sie nicht unbedingt damit gerechnet hatten.

„Das Wichtigste ist, dass er auf dem Teppich bleibt, demütig und konzentriert weiter arbeitet“, sagt Kriebel über den Schlussmann der Junioren-Nationalmannschaft, der nur durch den langfristigen Ausfall von Sven Bartmann zur Nummer eins im Dormagener Gehäuse wurde.

Beim TuS Ferndorf wird wahrscheinlich nicht das große Zittern ausbrechen ob des Ergebnisses der Dormagener. Doch der Tabellenführer, der heute (19.30 Uhr, Waldsporthalle) mit einem Sieg in Korschenbroich bereits Herbstmeister werden kann, weiß nun, dass er trotz fünf Punkten Vorsprung einen ernstzunehmenden Verfolger hat.

Der TVK ist heute klarer Außenseiter. „Gegen eine solche Mannschaft muss man einen Sahnetag erwischen, um eine Überraschung zu landen“, sagt Ronny Rogawska, Trainer des Tabellenvorletzten. Doch solche „Sahnetage“ hatten die Korschenbroicher noch nicht allzu oft in dieser Saison. „Für uns geht es in erster Linie um Weiterentwicklung. Zudem wollen wir uns vor heimischer Kulisse ordentlich aus der Affäre ziehen und uns gut verkaufen“, gibt Rogawska die Marschrichtung vor.

Für einen Spieler wird die Partie die letzte im Korschenbroicher Trikot: Fabian Bleckat (19), aus der Bundesliga-A-Jugend des Neusser HV zum TVK gestoßener Rechtsaußen, und der Verein haben sich „im beiderseitigen Einvernehmen“ darauf geeinigt, den bis Saisonende laufenden Vertrag aufzulösen.