Bauverein kehrt zu Wurzeln zurück

Bauverein kehrt zu Wurzeln zurück

Bauträgerprojekte werden aufgegeben, stattdessen soll wieder bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden.

Neuss. Für wen baut der Bauverein? Diese Frage hat Bürgermeister Reiner Breuer im Aufsichtsrat des städtischen Tochterunternehmens gestellt und damit einen Richtungswechsel eingeleitet. Die klare Zielvorgabe: Konzentration auf die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Das dass im Umkehrschluss einen Rückzug aus reinen Bauträgerprojekten bedeutet, macht die jüngste Entscheidung des Aufsichtsrates deutlich. Der entschied in nicht-öffentlicher Sitzung, das bereits fertig erschlossene Neubaugebiet „Kamillusgarten“ am Konrad-Adenauer-Ring zu verkaufen, einschließlich der gültigen Baugenehmigung. „Das ist nur konsequent“, betont Breuer.

Mit Bauträgergeschäft sind jene Vorhaben gemeint, bei denen auch das kommunale Bauunternehmen Spitzenpreise verlangte. Durchschnittlich 3280 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche wurden zum Beispiel für die Eigentumswohnungen in einem Mehrfamilienhaus an der Schulstraße verlangt.

Solche Geschäfte begründete Bauvereinsvorstand Frank Lubig stets mit der Notwendigkeit, damit Geld für soziale Angebote verdienen zu müssen. Von Sozialrendite war die Rede. Dabei geriet offensichtich der öffentlich geförderte Wohnungsbau ins Hintertreffen. 2015 wurde keine einzige mit finanzieller Hilfe des Landes errichtete — und im Mietpreis daher gedeckelte — Wohnung im Neusser Stadtgebiet bezugsfertig.

Reiner Breuer, Bürgermeister

Die Aufgabe des hochpreisigen Wohnungsbaus soll personelle und finanzielle Ressourcen freisetzen, die Bürgermeister Reiner Breuer anders besser angelegt sieht. Er erwarte, so Breuer, 2017 einen Schub beim Thema bezahlbarer Wohnungsbau, gibt er einen Hinweis.

Dass der Bauverein auf dem „Kamillusgarten“ sitzenbleibt oder beim Verkauf sogar draufzahlt, hält Breuer für ausgeschlossen. Es seien genug Investoren auf der Suche nach Immobilien unterwegs, die noch eine Rendite erwarten lassen. Zum Sachstand heißt es hinter vorgehaltener Hand, dass der Bauverein bereits in konkreten Verkaufsverhandlungen steht. Er bringt eine fast zehn Hektar große Fläche an den Markt, auf der 14 Stadthäuser und 29 Eigentumswohnungen in fünf Mehrfamilienhäusern entstehen sollen. Kein Quadratmeter Wohnfläche davon im unteren Preissegment.

Die Baugenehmigung, um die der Bauverein drei Jahre ringen musste, stammt aus der Zeit, in der es noch keine von der Politik vorgegebene Prozent-Quote für bezahlbaren Wohnraum gab.

Wo der Neusser Bauverein gemischte Viertel entwickelt, soll es auch zukünftig frei finanzierte Objekte geben, reine Bauträgerprojekte aber nicht mehr. Mit denen hatte die Gesellschaft aber auch nicht immer Glück. Aus dem Marianum rissen Beschwerden wegen Baumängeln über Jahre hinweg nicht ab.