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Autotraum: Speed-Date mit einem Kurvenstar

Autotraum: Speed-Date mit einem Kurvenstar

Die Werkstatt von Harald Oetinger bietet zum 20-jährigen Bestehen Ferrari-Fahrten an.

Neuss. Vor italienischem Charme kann man bisweilen nur kapitulieren. Und da steht er, der automobile Traum in Rot: ein Ferrari. Einen solchen Flitzer einmal eine Weile zu fahren, dürfte sich so mancher Autoliebhaber wünschen. Wäre da nicht der Anschaffungspreis von schlappen 150 000 Euro aufwärts.

Alternative: Das Auto wird nicht gekauft, sondern gemietet. Machbar ist das heute und morgen an der Neusser Shell-Tankstelle an der Düsseldorfer Straße. Zwar nicht ganz kostenlos - aber immerhin für 33 oder 41 Minuten Netto-Fahrvergnügen (siehe Kasten).

Ferrari-Fan Harald Oetinger wollte zum 20. Geburtstag seiner Autowerkstatt auf dem Tankstellen-Gelände nicht irgendeinen Zauberkünstler engagieren. Und als Instrukteur Christian von Maltzahn zufällig an der Düsseldorfer Straße mit einem Ferrari tankte, fanden die beiden schnell zusammen: Denn das Unternehmen S+F Concepts GmbH verleiht die italienischen Sportwagen an Fahrschulen oder bietet Ferrari-Touren für Firmen-Veranstaltungen.

Seit ein paar Tagen parkt der rote F 360 Modena F1 bereits an der Düsseldorfer Straße im Barbaraviertel. "Die Leute drücken sich die Nase platt. So ein Ferrari ist eben nicht irgendein Auto", schwärmt Harald Oetinger.

Da steht er nun also. Irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass dieser Wagen nicht für die Straße, sondern für das Ohr und das Auge erfunden wurde. Nur Angeber fahren Ferrari? Ach, was. Also raus aus den Stöckelschuhen, Turnschuhe an und rein in den Ledersitz.

Das Auto scheint schon im Stillstand zu rasen. Der Dreh am Zündschlüssel offenbart: Es klingt, wie es aussieht. Sehr kräftig, aber erstaunlich seriös. Besser: Man fährt die Seitenscheibe runter, damit sich das spezifische Roooooaaaarrr des Ferrari auf eine symphonische Weise auch im Innenraum entfalten kann.

Der Wagen schießt nach vorn. Die halbautomatische Formel-1-Schaltung arbeitet mustergültig. Die griffigen Schaltpaddel sind Peitsche und Zügel in einem. Auch wenn man auf Neusser Straßen der Höchstgeschwindigkeit von 296 km/h alles andere als nah kommt, vermag das Auto zu beschleunigen, als zünde man eine weitere Triebwerksstufe.

Straßenlage und Kurvenverhalten sind verblüffend. Diese italienische Legende weckt jenes Haben-Wollen-Gefühl, das im Kopf das Serotonin verrückt spielen lässt. Eine wahre Symbiose aus Tempo, Spaß und Beherrschbarkeit. "Es geht aber nicht ums Rasen", sagt von Maltzahn. "Der Respekt vor der Marke ist sehr groß. Das merkt man, wenn die Leute erst einmal im Auto sitzen", erzählt der Ferrari-Instrukteur. Dann sei es auch mit den coolen Sprüchen ganz schnell vorbei. "Denn man erkennt, welche Kraft in so einem Auto steckt", sagt der 35-jährige Unternehmensberater, der übrigens privat einen Smart fährt.

Damit der Test-Fahrer das 150 000 Euro teure Automobil nicht gegen die Wand fährt, hat der Ferrari wie im Fahrschulauto zusätzliche Gas-, Brems- und Kupplungspedale für den Instrukteur. Ansonsten hat der rote Kurvenstar aber mit anderen Fahrschulwagen wenig gemein.