Ausstellung macht Römerzeit erlebbar

Ausstellung macht Römerzeit erlebbar

Kurator Carl Pause betrachtet Neuss als eine wichtige Station am Limes.

Neuss. Ob im Fernsehen oder bei historischen Stadtfesten: Bilder von Römern sind keine Seltenheit. Wie das Leben in der Antike aber wirklich war, will die Ausstellung „Römer zum Anfassen. Mythos und Fakten“, die am Sonntag, 18. März, im Clemens-Sels-Museum eröffnet wird, zeigen.

„Dort begegnen uns viele Rekonstruktionen zum Anfassen und Ausprobieren“, so Kurator Carl Pause, der etwa auf die Farbenvielfalt der römischen Welt verweist — zu sehen an den Reliefs auf der Trajansäule. Um auf die Ausstellung aufmerksam zu machen und den ehemaligen Limes per Wanderung zu erleben, kamen jetzt drei römische Soldaten zum Limesturm Am Reckberg — in originalgetreuer Kleidung.

Die Bodendenkmalpflege der Stadt Neuss und das Landesamt für Bodendenkmalpflege beim Landschaftsverband (LVR) arbeiten derzeit daran, Anträge zu erstellen, denn: Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sowie Teile der Niederlande, durch die die Grenze verläuft, wollen den Niedergermanischen Limes als Welterbe bei der Unesco anmelden und so erreichen, dass er Teil der internationalen Welterbestätte „Grenzen des Römischen Imperiums“ wird.

„Damit würde das römische Neuss eine Aufwertung erfahren, und die Geschichte der Stadt würde entsprechend gewürdigt“, sagt Pause. Der Limes in Neuss sei in erster Linie der Rhein: Der Fluss trennte das römische Imperium vom feindlichen freien Germanien. An ihm entlang fanden sich zahlreiche Militärstationen, Lager und Wachtürme — wie der nachkonstruierte Limesturm Am Reckberg. „Die Chancen, dass der Antrag bewilligt wird, stehen meiner Meinung nach sehr gut. Schließlich sind andere Teile des Limes bereits Welterbe, und das wäre ein wichtiger Lückenschluss“, so Pause.

Zuvor gibt es aber viel zu erledigen. Er betrachtet Neuss als eine wichtige Station am Limes, der sich durch die gesamte Länge der Stadt von der Grenze zu Dormagen bis zum angrenzenden Meerbusch zieht. Zudem soll ein Konzept erstellt werden, welche Bodendenkmäler ebenfalls zum Welterbe gehören sollen und wie diese Zeugnisse des Niedergermanischen Limes in Zukunft erfahrbarer gestaltet werden können. Die Grenze des römischen Imperiums ist das größte lineare Denkmal in Europa. Welterbestatus haben bereits Hadrians- und Antoninuswall in Großbritannien und der Obergermanisch-Raetische Limes in Deutschland. vest