Ausstellung in Kaarst: Kunst mit Schere, Stift und Kabelbinder

Ausstellung in Kaarst: Kunst mit Schere, Stift und Kabelbinder

Brigitte Trennhaus zeigt ihre Arbeiten in der Galerie Splettstößer bis 6. Juni. Bis auf ein Einzelobjekt handelt es sich bei den ausgestellten Werken, die zwischen 1996 und 2009 entstanden, um Serien.

Kaarst. In ihrer Ausstellung "Flügel abgelegt" zeigt die Berliner Künstlerin Brigitte Trennhaus verschiedene Stile ihrer Arbeit. Bilder wie Objekte sind zurzeit in der Galerie Splettstößer zu sehen. "Beim Stichwort Flügel denken wir an Leichtigkeit, Freiheit, Dynamik", sagte Pfarrer Kurt-Peter Gertz auf der Vernissage.

Mit dem eigentlich negativ klingenden Begriff "abgelegt" verbindet Trennhaus positive Aussagen. "Es geht um Ausruhen, um zur Ruhe kommen, um Durchatmen, um Stille, um Statik", so Gertz.

Bis auf das Einzelobjekt "Spiegelkasten" handelt es sich bei den ausgestellten Werken, die zwischen 1996 und 2009 entstanden, um Serien. Interessant ist, mit welchen Mitteln Brigitte Trennhaus arbeitet.

Während die zwölf Arbeiten unter dem Titel "Lands" mit Zeichenstift und Ölfarben noch in einem klassischen künstlerischen Stil entstanden sind, hat Trennhaus für eine weitere Reihung auf Pergamentpapier schwungvoll kreisend zum Korrekturstift "Tipp-Ex" gegriffen.

Die Scherenschnitte "Shopping Guide" entstammen einem Kaufhauskatalog, eingefasst von Bilderrahmen aus dem betreffenden Geschäft. Hier setzt sich die Künstlerin kritisch mit der Hektik, dem Lärm und der Aufdringlichkeit der Konsumwelt auseinander. Ebenfalls aus zwölf Arbeiten besteht der "Gebetsteppich".

"Die Zahl 12 kann in religiöse Dimensionen verweisen", so der an Kunst interessierte Pfarrer. Tatsächlich ist der Auslöser für diese Arbeiten ein Erlebnis von Brigitte Trennhaus in Kairo. Ein Gebetsbildchen der Kopten zeigte etwas Gemustertes und inspirierte sie zu ihren in Transparentpapier geschnittenen Mustern.

Im Mittelpunkt der Ausstellung, alleine schon durch ihre räumliche Präsenz, stehen die Objekte aus Kabelbinder. Die handelsüblichen Hilfsmittel wurden in weißes mattes Silikon getaucht, miteinander verbunden und zu Objekten modelliert. Sie werden auf Sockeln ausgestellt oder hängen an der Wand der Galerie.

Auf eine schwingende Aufhängung an der Decke verzichtet Trennhaus ganz bewusst. "Diese Objekte müssen eine Bodenhaftung haben. Sie müssen abgelegt sein und Ruhe vermitteln", so die Künstlerin. Das knapp zwei Meter große Einzelobjekt "Im Spiegel Selbst" besteht ebenfalls aus Kabelbindern.

“ Die Ausstellung "Flügel abgelegt" ist bis zum 6. Juni in der Galerie Splettstößer, Rathausstraße 3, zu sehen. Sie kann dienstags, mittwochs und freitags von 14.30 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr sowie samstags von 10 bis 12.30 Uhr besucht werden.

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