Aus dem Rhythmus gekommen

Malermeister Michael Dworak hält die Zeitumstellung für belastend.

Neuss. Wenn Michael Dworak in diesen Tagen auf die Uhr schaut, wirkt der Ärger noch nach. „Zwei Wochen brauchen Körper und Lebensrhythmus, um sich umzustellen“, sagt der 53-Jährige. Der Wechsel auf Sommerzeit am vergangenen Wochenende ist ein jährliches Ärgernis für den Malermeister, der einen Betrieb in der Nordstadt führt. Er merke es sowohl beruflich als auch privat.

„Wenn ich meine Tochter aus dem Bett hole, ist sie noch ziemlich müde. Die Stunde Schlaf fehlt ihr dann einfach“, sagt der Malermeister. Um 7 Uhr fangen er und seine Kollegen an zu arbeiten. Doch nach der Uhrenumstellung Ende März werden die Arbeiten an Außenfassaden wieder zu einem dunklen Vergnügen — eben weil es eine Stunde später hell wird.

Die Formulierung „früher hell und später dunkel“ nimmt Dworak minuziös auseinander: „Es bleibt abends nicht länger hell. Es wird nur früher spät.“ Den Ärger um die Sommerzeit will er nicht hinnehmen — und ist deshalb Mitglied der Bürgerinitiative „Sonnenzeit“, die sich mit Petitionen ans EU-Parlament wendet. Bislang mit wenig Erfolg. Aber die Hoffnung geben die Mitglieder nicht auf.

Auf ihrer Internetseite präsentiert Vera Mong, Gründerin der Initiative, einen siebenseitigen Text mit Argumenten, die ihr Begehren stützen sollen. In dem Text wird die Sommerzeit „die alljährliche Zelebrierung einer künstlichen Zeitverschiebung“ genannt. Mong hat auch einen eigenen Song komponiert, um ihrem Ärger Luft zu machen — das Stück heißt „Großer Zauber Sommerzeit“. Die Gründerin beruft sich sogar auf Artikel 1 des Grundgesetzes. So umfasse die Würde des Menschen auch seine seiner Selbstbestimmtheit und Eigenverantwortung. Davon werde dem Bürger durch die Sommerzeit ein Stück genommen.

Seit 1980 werden die Uhren von der mitteleuropäischen Zeit (MEZ) auf die Sommerzeit umgestellt. Ziel war es, nach der Ölkrise 1973 das Tageslicht besser zu nutzen und so Energie einzusparen. „Diese Energieeinsparung ist aber nicht erfolgt“, sagt Michael Dworak, der sich noch gut an die erste Umstellung erinnert. „Es war totales Chaos“, sagt der Vater von sechs Kindern. Zumal es damals noch keine Smartphones und Co. gab, deren Uhren sich automatisch umstellen. 1980 war Sommerzeit noch echte Handarbeit.

Trotz des Misserfolgs in Sachen Energieeinsparung ließen die Regierungen bislang nicht von der Sommerzeit ab. „Wir wollen den Politikern mit unserer Initiative klarmachen, dass wir diesen Quatsch nicht brauchen, sagt der Nordstädter, der nicht nur Unterstützung von Bekannten und Verwandten erhält: „Jeder, den ich anspreche, sagt, dass die Umstellung unnötig ist.“