An der Bergheimer Straße in Neuss: Existenzangst wegen Großbaustelle

An der Bergheimer Straße in Neuss : Ärger an der Bergheimer Straße

Die Kanalsanierung im Bereich der Bergheimer Straße besorgt und verärgert Händler und Anwohner: Schlechte Wege, Lärm und Furcht vor Unfällen mit Fahrradfahrern.

Es ist dunkel hinter den Schaufenstern. Bis Mitte März konnte man in dem kleinen Eck-Geschäft an der Schillerstraße noch Blumen und Wohnaccessoires kaufen. Einer der Gründe, weshalb der Inhaber jetzt die Reißleine zog, ist die Großbaustelle an der Bergheimer Straße, Schillerstraße, Dreikönigenstraße und Eichendorffstraße. Seit Anfang März werden dort Kanalleitungen unter der Straßendecke erneuert. Danach sind die Straßen sowie Geh- und Radwege an der Reihe. Seit Baubeginn ist die Kreuzung Bergheimer Straße/Dreikönigenstraße/Schillerstraße vollgesperrt. Und das soll noch für rund einen Monat so bleiben.

Nun befürchten Händler, deren Geschäfte im nur noch äußerst schwer erreichbaren Gebiet liegen, dass es ihnen ähnlich ergehen könnte wie dem Blumengeschäft an der Schillerstraße. „Wenn das noch länger so weitergeht, ist es existenzbedrohend. Es kommen nur noch Kunden, die uns kennen“, sagt Michael Winkler, der ein Computer-Fachgeschäft führt.

Nur wenige Meter weiter hat Marco Curcio seit rund drei Jahren einen Friseur-Salon. „Durch unsere Ecklage haben uns viele Autofahrer gesehen, die von der Innenstadt Richtung Reuschenberg fahren“, sagt er. Dieser Werbe-Aspekt liege jetzt auf Eis. „Es dauert einfach zu lange“, sagt Marco Curcio. Ulrich Wichmann, Leiter eines Golf-Caddy-Geschäftes an der Bergheimer Straße, hat ein anderes Problem: Wegen der Sperrung werden Fahrradfahrer, die von der Dreikönigenstraße in die Bergheimer Straße abbiegen, direkt an seinem Geschäft vorbeigeleitet.

Durch eine Haus-Ecke ist der Eingang nicht zu sehen. „Die Radfahrer schießen hier vorbei. Ich muss jeden Kunden vorwarnen, der das Geschäft verlässt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es zu einem Unfall kommt“, sagt Wichmann. Seine Forderung: Die Baustellen-Absperrung soll versetzt werden, sodass Radfahrer über die Straße und nicht über den Bürgersteig an seinem Caddy-Service vorbeigeleitet werden.

Auch Anwohner haben mit der Situation zu kämpfen. Nicht nur wegen des erhöhten Lärmpegels, auch wenn Markus Küpper betont: „Bei manchen Arbeiten wackeln in der Küche die Teller.“ Das bestätigt auch Anwohnerin Ilse Martin. „Teilweise ist der Fernseher nicht mehr zu verstehen“, sagt die 79-Jährige. Ein größeres Problem seien die schlechten Weg-Verhältnisse direkt vor ihrer Haustür.

Da das Pflaster entfernt wurde, wird jeder Gang nach draußen für die Seniorin und ihren Mann, die auf Gehhilfen angewiesen sind, zu einer Herausforderung. Kurzzeitig befand sich ihr Haus an der Schillerstraße sogar in einem abgesperrten Baustellenbereich, sodass Fußgänger über die gegenüberliegende Straßenseite geleitet wurden. „Da haben wir die Absperrungen selbst verschoben, um herauszukommen“, sagt Ilse Martin. Für ihren Nachbar Dirk Schwieger hat die ganze Situation aber auch etwas Positives: „Es ist verkehrsberuhigt und man kann gut parken.“

Nicht nur für Anwohner und Händler – alle betonen unisono, dass sie grundsätzlich Verständnis für die Maßnahme haben – sorgt die Sperrung für Sorgenfalten, sondern auch bei Autofahrern. Schließlich ist eine wichtige Nord-Südachse nicht nutzbar.

Um das Problem einzudämmen, wurde die Ampelschaltung am Friedrich-Ebert-Platz anders getaktet, was wiederum auf der Nordkanalallee zu längeren Wartezeiten führt. Auch die Einbahnstraßenregelung auf beiden Seiten der Bergheimer Straße wurde aufgehoben und Kant- und Eichendorffstraße sind Einbahnstraßen. Eine gute Nachricht: „Alle Arbeiten liegen im Zeitplan“, sagt die stellvertretende Stadtsprecherin Nicole Bungert.

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