Alte Münsterschule: Baugrundstück ist verkauft

Alte Münsterschule: Baugrundstück ist verkauft

Kontrola plant Wohnbebauung. Hafenbetriebe wollen das verhindern und drohen mit Klage.

Neuss. Es kommt Bewegung in die verfahrene Geschichte um die Bebauung des Münsterschulgeländes: Das Areal in der Innenstadt ist verkauft.

Seit langem lähmt der Streit zwischen der Stadt, die hier Wohnbebauung plant, und den Industriebetrieben am gegenüberliegenden Hafenbecken I jede Entwicklung. Die Industrievertreter fürchten angesichts der — dann zu schützenden — Wohnbaunutzung an dieser sensiblen Stelle um Bestandsschutz und Entwicklungsmöglichkeiten und haben mit Klage gedroht. Jetzt aber ist der Kaufvertrag zwischen Stadt und Investor Kontrola unterschrieben.

Das bestätigte am Freitag Bürgermeister Herbert Napp. Nach einem aufwendigen Wettbewerb hatte das Unternehmen Kontrola/Bouwfonds vor mehr als drei Jahren den Zuschlag für seine vom Neusser Architekten Horst Hanrath entwickelten Pläne einer reinen Wohnbebauung erhalten. Der Kaufvertrag, der auch den Abriss der Münsterschulgebäude einschließt, lag fast ein dreiviertel Jahr unterschriftsreif auf Halde.

Zuletzt hatte die IHK in einer Mitteilung bekanntgemacht, dass Vertreter der Hafenindustrie mit der Kontrola verhandelten: Im Gespräch war eine Bebauung mit reiner Gewerbenutzung. Es könne dem Investor auch, so hieß es, ein alternativer Standort für Wohnbebauung angeboten werden.

Was daraus wird, ist völlig offen. Mit der Unterschrift beider Seiten unter den Kaufvertrag rückt nun der Abriss der seit Jahren brach liegenden Gebäude näher. „Wir wollen nicht, dass die Schule noch lange Zeit stehenbleibt und für die möglichen Kläger als Lärmschutz zur Verfügung steht“, sagt Bürgermeister Napp. Er bestätigte auf Anfrage, dass es Gespräche auch mit gewerblichen Nutzern gebe, an denen die Stadt allerdings nicht beteiligt sei. Dem Vernehmen nach hat die Volksbank Interesse an dem Grundstück gezeigt. Ob sich das konkretisiert, ob der Investor, ein Wohnbauunternehmen, darauf eingehen wird, ist nicht abzusehen. Möglich wäre auch eine Bebauung, die Wohnen ausschließlich zu der dem Hafenbecken abgewandten Seite vorsieht.

Die Stadt würde Kontrola jedenfalls auch eine Baugenehmigung für die vom Rat beschlossene reine Wohnbebauung erteilen, wie es der Ratsbeschluss vorsieht — einen Bebauungsplan gibt es für diese Fläche nicht. Für diesen Fall haben die Industrievertreter Klagen angekündigt. „Wohnbebauung können wir nicht akzeptieren“, sagt zum Beispiel Hendrik Baum, Geschäftsführer bei Thywissen, mit Verweis auf Produktion und Auslieferung rund um die Uhr.

Bürgermeister Herbert Napp jedenfalls wünscht ein Ende des Stillstands. Einen Kompromiss sieht er auch in einer ganz oder teils gewerblichen Bebauung.

Die Anfrage der SPD zum Hauptausschuss am Donnerstag zum Thema „Fehlende Abwicklung des Verkaufs des Grundstücks der ehemaligen Münstergrundschule“ hat sich damit zumindest in einem Punkt erledigt. Weitere Fragen bleiben offen.

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