Alkoholismus: "Die Anfragen von Eltern sind enorm gestiegen"

Alkoholismus: "Die Anfragen von Eltern sind enorm gestiegen"

WZ-Interview: Der Suchtexperte Günter Faßbender hat sein erstes Buch veröffentlicht, in dem er seine Erfahrungen weiter gibt.

Rhein-Kreis Neuss. "Na dann, prost - Alkoholprobleme erkennen und überwinden" heißt ein Buch, das jetzt von Günter Faßbender herausgegeben wurde. Der Diplom-Sozialarbeiter kümmert sich in der Fachambulanz für Suchtgefährdete des Caritasverbandes für den Rhein-Kreis Neuss um Suchtkranke und deren Angehörige.

Wir sprachen mit dem Suchtexperten über die Neuerscheinung des Buches und das Alkoholproblem grundsätzlich.

Faßbender: Ich möchte meine Erfahrungen aus der Beratung und Therapie von Suchtkranken an Hilfesuchende und am Thema Interessierte weitergeben.

Faßbender: Viele Betroffene habe meterweise Literatur zum Thema. Dies ist ja auch zunächst anonymer als gleich einen Termin in der Suchtberatung zu machen.

Faßbender: Ich hatte vorher nicht die Zeit, die Erfahrung oder vielleicht auch nicht die Lust dazu. Das ist schon viel Arbeit, ein solches Buch zu schreiben und einen Verlag zu finden.

Faßbender: Das kann ich nicht genau sagen. Man geht von zehn Prozent suchtgefährdeter Personen aus. Auf den Rhein-Kreis Neuss bezogen sind dies etwa 45000 Menschen.

Faßbender: Dies sind Richtwerte, die sich nur auf die körperliche Verträglichkeit beziehen. Täglicher Alkoholkonsum auch in geringen Mengen führt zur psychischen Gewöhnung an Alkohol und stellt eine hohe Suchtgefährdung dar. Wenn Alkoholkonsum immer wieder zu Problemen führt und der Betroffene nicht mehr in der Lage ist, seinen Alkoholkonsum auf ein Maß und eine Häufigkeit des Konsum zu reduzieren, die keine Probleme bringen, muss er sich eingestehen, alkoholabhängig zu sein.

Faßbender: Die Anfragen nach Hilfe von besorgten Eltern und auch von Jugendlichen selbst sind in den letzten Jahren enorm gestiegen. Mein Buch kann natürlich auch Jugendliche auf die Gefahren einer Alkoholabhängigkeit hinweisen. Es ist jedoch nicht direkt für Jugendliche geschrieben. Beratungsstellen fangen bundesweit erst an, sich mehr auf den Zugang zu suchtgefährdeten Jugendlichen einzustellen. In der Fachambulanz der Caritas Sozialdienste Rhein-Kreis Neuss gibt es spezielle Hilfsangebote für Jugendliche.

Faßbender: Die Menschen sollten sich mehr um einen Ausgleich zu dem Druck und der Hektik der heutigen Zeit bemühen. Ein Hobby, sportliche Aktivität, oder auch ein Gespräch mit Freunden kann mehr helfen, als der Griff zum Alkohol oder anderen Suchtmitteln. Alkohol löst keine Probleme, sondern schafft zusätzliche Probleme.

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