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Alexius-Krankenhaus: 100 Flüchtlinge eingetroffen

Alexius-Krankenhaus: 100 Flüchtlinge eingetroffen

In der neuen zentralen Aufnahmestelle des Landes sind bisher 100 Menschen untergekommen.

Neuss. Immer wieder wird Wahed Kabir angesprochen, wenn er durch die Flure geht. Ruhig geht es zu, die Menchen warten, sind offensichtlich zurückhaltend, unsicher. Kabir ist ihr erster Ansprechpartner. Sechs Sprachen beherrscht der Afghane, er hilft, wo er kann, in diesen ersten Tagen in der neuen zentralen Aufnahmestelle des Landes im alten Alexius-Krankenhaus. Mehr als 100 Menschen sind hier seit Samstag untergekommen.

„Alles ging so schnell. Am Donnerstag hatten wir die Schlüssel, am Samstag kamen die ersten Bewohner. Es muss noch viel improvisiert werden“, sagt Kabir. Und Renate Walkenhorst ergänzt: „Normal ist im Moment gar nichts.“

Beide sind für die Organisation European Homecare tätig, die im Auftrag des Landes in Neuss und anderen Landeseinrichtungen Organisation und Betreuung übernimmt. Kabir arbeitet eigentlich im Erstaufnahmelager in Dortmund. Dort wurde es in den vergangenen Wochen so übervoll, dass unter höchstem Zeitdruck eine zusätzliche zentrale Aufnahmestelle gesucht wurde, um Dortmund zu entlasten.

Das ist nun für ein Jahr das alte Alexius-Krankenhaus. 150 Plätze können belegt werden, Ende der Woche, glaubt Renate Walkenhorst, wird alles belegt sein.

Aus Dortmund angekommen sind bisher Flüchtlinge aus Irak und Afghanistan, Syrien und Somalia, vor allem aber Roma aus Serbien und Mazedonien. Viele von ihnen brachte ein Bus am Montagabend. Bettwäsche und Hygieneartikel haben sie erhalten, die Zimmer wurden ihnen gezeigt — und dann hat Wahed Kabir erstmal Tee gekocht und Brote geschmiert, 22.30 Uhr war es da.

Nach der Erstaufnahme in Dortmund ist Neuss ihre zweite Station, bevor sie dann auf Kommunen verteilt werden. Wie die Flüchtlinge nach Dortmund kommen? „Sie stehen einfach da, vor der Tür. Ob sie nun aus Syrien kommen oder aus Serbien. Sie wissen, wo sie sich melden müssen“, sagt Kabir.

Die Menschen machen klar, dass sie Asyl beantragen — und die Maschinerie setzt sich in Gang. In Neuss liegen auf einem langen Tisch Formulare aus. Namen, Herkunftsland, andere Angaben — die Formulare gibt es in allen möglichen Sprachen bis hin zu Farsi. Bis ihr Asylverfahren angelaufen ist, bleiben die Männer, Frauen und Kinder im ehemaligen Krankenhaus.

Für viele stehen die Chancen nicht gut. Und doch ist Renate Walkenhorst erschüttert von vielem, was sie hört, oft von Diskriminierung und Verfolgung der Roma. „Es sind wirklich Menschen in Not“, sagt sie, bevor sie sich wieder an die Arbeit macht.

Ein Bus fährt vor, er bringt Kinder zur Windpockenimpfung ins Lukaskrankenhaus. Diese Krankheit war in Dormund ausgebrochen und hatte dort die Lage zusätzlich verschärft. Wer fährt mit, wer kann dolmetschen? Wie steht es in der Küche, sind die Lasagne-Portionen ausgepackt? Wie geht es der Frau, die am Vortag ins Krankenhaus gebracht werden musste?

Noch immer gibt es kein Telefon, keine Leitung für die Computer, es fehlt ein Fernseher, ein Spielraum für die Kinder soll eingerichtet werden, ein Sportraum wäre schön, ergänzt eine andere Mitarbeiterin.

Frust schiebt hier aber niemand. Es sei ein schönes Haus, sagt Renate Walkenhorst über das Krankenhaus an der Nordkanalallee, das jetzt zur zentralen Aufnahmestelle für Flüchtlinge geworden ist. Wa sie sich wünscht? „Dass die Nachbar uns tolerieren und respektieren.“