A57-Anschluss: Neuss kämpft gegen den Verkehrs-Infarkt

A57-Anschluss und Gewerbeplanung : Neusser Süden leidet unter zunehmendem Verkehr

Neue Gewerbeflächen und mehr Einwohner werden die Situation noch verschärfen.

Der Neusser Süden hat schon heute mit hohem Verkehrsaufkommen zu kämpfen. Staus, insbesondere auf der B 9, sind dort Alltag. Mit den geplanten weiteren Gewerbeflächen in Derikum sowie dem interkommunalen Gewerbegebiet „Am Silbersee“, das mit der Stadt Dormagen realisiert werden soll, wird sich das Verkehrsaufkommen nochmals erhöhen. Viele Bürger sind deshalb in Sorge. Für sie sind die Grenzen des Zumutbaren schon jetzt erreicht. Für Entlastung soll die geplante Anschlussstelle Delrath auf der A 57 sorgen. Sie würde sich deutlich auf den Verkehr im Neusser Süden – und natürlich im Dormagener Norden – auswirken. Die Auswirkungen auf Neuss wurden am Donnerstag auf einer gemeinsamen Sitzung der Bezirksausschüsse Uedesheim, Norf und Rosellen diskutiert.

Dazu hatte die Politik Fachleute in den Ratssaal des Neusser Rathauses geladen. Im Grunde gaben sie noch einmal ein Update, basierend auf dem, was bei der Bürgerversammlung Ende Mai in Allerheiligen bereits vorgestellt wurde. Der Verkehr im Bereich Neusser Süden ist schon heute immens: Auf der A 57 sind es mehr als 80 000 Fahrzeuge täglich, auf der B9 südlich von Uedesheim rund 31 000, darunter zahlreiche Lkw. Das haben Verkehrszählungen ergeben. Aber bei diesem Aufkommen wird es nicht bleiben. Frank Weiser von der Ingenieurgesellschaft Brilon, Bondzio, Weiser erklärt, dass bis 2030 mit einer Einwohnerentwicklung von plus vier Prozent und einer Arbeitsplatzentwicklung von plus sechs Prozent gerechnet werde. Das bedeutet mehr Verkehr. „Bei gleichbleibenden Straßen erwarten wir eine totale Überlastungen in einigen Bereichen“, warnt Weiser. Daher sei die Anschlussstelle Delrath enorm wichtig.

Mehr als 1000 Bürger haben gegen Gewerbegebiet unterschrieben

Zwar würde sie mehr Verkehr auf der K 30 in Neuss bedeuten, aber weniger Verkehr auf der B 9 zwischen Uedesheim und Stürzelberg sowie auf der L 380. Unterm Strich stehe eine Entlastung der B 9 auch mit Blick auf die geplante Gewerbeentwicklung, eine Lärmminderung und eine Verringerung der Schadstoffbelastungen für Anwohner. Uwe Ritterstaedt (CDU) betonte in einer schriftlichen Stellungnahme, dass er den Anschluss Delrath zwar begrüße. „Am Knoten B 9/Rheinfährstraße wird der Verkehr um circa 11 000 Kfz oder 2900 schwere Lkw in 24 Stunden abnehmen“, teilt Ritterstaedt mit. Er hat jedoch rechtliche Bedenken mit Blick auf die Planfeststellung und befürchtet einen Rechtsstreit. Diesen gelte es zu verhindern.

Das Amt für Stadtplanung stellte in der Sitzung einen Sachstand zu den geplanten neuen Gewerbeflächen in Derikum vor. Beim Neuverkehr rechne man mit etwa 2500 Fahrten pro Tag, darunter 900 Fahrten im Güterverkehr, also zum Beispiel Lkw. Man versuche, die Verkehrsbelastung so gering wie möglich zu halten. Waltraud Beyen (CDU) monierte, dass die mehr als 1000 Unterschriften von Bürgern gegen die Ausweitung des Gewerbegebiets ignoriert würden. Planungsdezernent Christoph Hölters betonte, die Antwort erfolge mit der zweiten Offenlegung der Pläne.