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80 Motorradfahrer beim Biker-Gottesdienst

80 Motorradfahrer beim Biker-Gottesdienst

Der erste Motorradgottesdienst der evangelischen Kirchengemeinde war gut besucht.

Kaarst. Pfarrer Martin Pilz entdeckte beim Gottesdienst einige bekannte Gesichter — allerdings von Menschen, die nicht unbedingt zu den regelmäßigen Kirchgängern gehören. Sie sind einer anderen Gemeinschaft angeschlossen, nämlich der der Biker, und die trafen sich gestern zum ersten Motorradgottesdienst der evangelischen Kirchengemeinde Kaarst.

Die Veranstaltung hatte sich herumgesprochen, wie ein Blick auf die Kennzeichen verriet. Die Teilnehmer kamen unter anderem auch aus Düsseldorf, Mettmann, Krefeld, Lippstadt oder Gladbeck. „Wenn ich so rundschaue, sehe ich noch einmal die letzten zehn Jahre meines Lebens“, sagte Pilz. An seiner ehemaligen Pfarrstelle in Düsseldorf hatte er 2006 erstmals einen Biker-Gottesdienst gefeiert. „Damals war es ein Experiment, zu dem einfach die gesamte Gemeinde eingeladen wurde. Dieses Mal haben wir es genauso gemacht“, erklärte der Pastor. Und so fanden sich zwischen den Motorradfahrern auch Kinder mit dem Dreirad und Senioren mit dem Rollator.

Zusammen mit seinem Kollegen von der Notfallseelsorge Düsseldorf, Pfarrer Olaf Schaper, gestaltete der Martin Pilz einen sehr launischen Gottesdienst unter dem Motto „Aufbrechen“, ohne dabei die Liturgie zu vernachlässigen, aber mit besonderen musikalischen Akzenten. Als „SakralPunker“ angekündigt spielte die Kaarster Band „Durch und Durch“ zusammen mit Kantor Wolfgang Weber zur Eröffnung „High and Dry“ von Radiohead und zum Abschluss Led Zeppelins „Stairway To Heaven“. Ein wenig wurde dabei auch die Ökumene gefeiert, denn Besucher und Biker Jürgen Schüssler ist eigentlich katholisch. „Man trifft hier eben trotzdem auf Gleichgesinnte. Man ist sofort per Du und hat ein gemeinsames Gesprächsthema“, so der Kaarster. In Holzbüttgen kam mit rund 80 Maschinen eine stolze Zahl zur Premiere. Die erlebte auch Britta Göbel. Ihre Honda 750 Shadow Spirit zierte eine Legende: Freddy Mercury. Den Sänger ließ sie sich in seiner Wembley-Pose mit Airbrush auf ihrem Tank verewigen.

Zu den weiteren Besonderheiten des Motorradgottesdienstes gehörten, dass die Besucher eigene Vorschläge zu den Fürbitten geben durften und eine zusätzliche Kollekte gesammelt wurden. Diese widmete man dem Psychosozialem Zentrum Düsseldorf, einer Beratungsstelle für traumatisierte Flüchtlinge. Mehr als 400 Menschen aus 40 Ländern suchten im vergangenen Jahre deren Hilfe auf.