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50 Jahre Großstadt: 200 000 Mark für Schulbaracken

50 Jahre Großstadt: 200 000 Mark für Schulbaracken

1963 gab es es noch zu wenig Schulen und Wohnraum.

Neuss. Februar 1963: Der Stadtrat verabschiedet einen Rekordhaushalt. 90 Millionen Mark, in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen, umfasst der Etat. Wenige Tage zuvor ist Neuss mit der Geburt von Christiane Wenke Großstadt geworden. Die Bevölkerungszahl ist rasant auf 100 000 gestiegen. Die Probleme, die sich darauf ergeben, spiegelt auch der Haushalt wider.

Die Freude des Oberbürgermeisters im Krankenhaus, die Glückwünsche für die 100 000. Neusserin und die stolzen Eltern finden sich in den Aufzeichnungen der Ratsdebatte nicht.

„Die Fraktion der CDU hat zu keiner Zeit die starke Expansion unserer Stadt begrüßt oder gar gefördert“, sagt stattdessen der Stadtverordnete Schäfer in der Ratsdebatte vor 50 Jahren. Doch habe die „traditionsgegebene Wirtschaftskraft, vielseitig und gesund fundiert“ nach dem Krieg wie ein Magnet gewirkt. Hinzu kamen die Kriegsflüchtlingen und später, so Schäfer, die Menschen, die „der Terror des kommunistischen Zonengebiets in Mitteldeutschland“ nach Westdeutschland — und auch nach Neuss — trieb. So sei die Stadt zwangsläufig gewachsen. Die nüchterne Schlussfolgerung: „Die Menschen sind da und warten auf Wohnungen, auf Schulen auf Krankenhäuser.“

Volksschulbau in Weckhoven, Erweiterung der Konradschule, Neubau der Schule Gnadental, Wiederaufbau des Jungen-Gymnasiums und 200 000 Mark für provisorische Schulbaracken: Massiv wird in Soforthilfe und den Schulbau investiert. Noch lernen die Kinder teils in Baracken, und sogar ein Schichtbetrieb ist für einige Kinder unumgänglich. Auch den Wohnungsbau treiben die Kommunalpolitiker voran, nicht zuletzt durch ein städtisches Darlehen an den Bauverein in Höhe von 3 Milionen Mark für die Errichtung von 247 Mietwohnungen.

Von „Bedenken ernster Natur“ spricht die SPD — die Stadt machte Schulden, muss an anderer Stelle sparen. Da gehen, wie es das Protokoll vermerkt, die Ratspolitiker mit gutem Beispiel voran und verzichten auf 3000 Mark an Sitzungsgeldern. „Schweren Herzens“ stimmt die SPD dem Haushalt zu und wünscht mit Worten des Stadtverordneten Bremshy „der Verwaltung den Mut von Löwen“ zur Schuldenminderung.

Schließlich wird der Haushalt, der erste der Großstadt Neuss, einstimmig verabschiedet. „Viel ist noch zu tun“, erklärt Oberbürgermeister Peter Wilhelm Kallen und verweist die Ratsmitglieder auf den im März anstehenden Besuch von Ministerpräsident Meyers. „Hoffentlich nimmt er den Eindruck mit, daß auf vielen Gebieten, insbesondere bezüglich der Altstadtsanierung und Bereinigung der Verkehrssituation erhebliche Landeshilfe Not tut.“