Wirte werben um Kunden

Kampf für eine geringere Besteuerung sorgt für größere Aufmerksamkeit.

Strümp. Beim Ausrichter des dritten gastronomischen 7%-Mehrwertsteuer-Tages, Matthias Vieten im Haus Baumeister, traf sich ein Großteil des 15-köpfigen Initiativkreises am Donnerstag zum Halbzeitresumee. "Anderen steht das Wasser derart bis zum Hals, dass sie nicht einmal den Aktionstag anbieten können", bedauert Claus Grotenburg, Geschäftsführer des ebenfalls eingebundenen Börker Brauhauses in Büderich. Den festen Donnerstag, jedoch mit verschiedenen Tageszeitangeboten, habe man gewählt, um Rabatt-Essern zu entgehen, nicht um mehr Gäste zu haben. "Bei denen kommt das super an", fasst Vieten zusammen und meint sowohl die Art der detaillierten Abrechnung durch das Servicepersonal mit Taschenrechner als auch den Aha-Effekt, wenn die Kunden den Preisunterschied zwischen 19 und 7Prozent entdeckten, der der der "Wettbewerbsnachteil der Gastronomie" sei, so Grotenburg.

Auch die Aufklärung über Zukunftsperspektiven gehört zur Aktion. "In letzter Zeit haben in Meerbusch sieben Betriebe geschlossen, in Kaarst zehn", sagt der Wirt. Er wolle wie die Kollegen bei einer Reduzierung der Mehrwertsteuer Arbeitsplätze schaffen. "Es geht um Existenzen, nicht um Gewinne. Wir wollen etwas an den Kunden zurückgeben und holen Niedriglöhner von der Straße", sagt Grotenburg, der die eigene Taktik "Kompensation durch persönlichen Mehreinsatz" erschöpft sieht. Hermann Josef Walschebauer, Berater der Werbe-Wirte, verweist zudem auf gesundheitliche Vorteile des Essens beim "Gastronomen des Vertrauens".

Michael Erb vom Gastro-Verband Dehoga betont die relative Hilflosigkeit der Wirte. "Man kann hier nicht streiken." Zudem gebe es für den Berufsstand keine Rückendeckung in Berlin. Erb räumt ein, das die Wirte wenig auf das längst fällige Thema aufmerksam gemacht hätten, jetzt aber Zusammenhalten angesagt sei. Claus Grotenburg glaubt, dass der "ruinöse Wettbewerb" einzig durch die Kunden geändert werden könne. Gastronomie dürfe nicht sterben, jedoch habe auch der einzelne Wirt den Anspruch, eine Familie ernähren zu können. "Mit acht Prozent Betriebsergebnis geht das nur mit fünf eigenen Gaststätten. Leider bin ich dann nur noch kaufmännischer Organisator, nicht mehr der vertrauenswürdige Gastronom vor Ort. Wir müssen wählen zwischen deutscher Vielfalt und Einheitsbrei, der mit ausländischem Kapital angerührt wird."

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