Von Usbekistan nach Meerbusch

Von Usbekistan nach Meerbusch

Sofya (17) und Alyona (16) sind auf Einladung des Kulturkreises zu Gast. Mit der Sprache haben sie keinerlei Probleme.

Meerbusch. Fast sieben Stunden im Flugzeug von Taschkent nach Frankfurt, dann weiter mit dem Zug bis Düsseldorf — das war die Reiseroute von Sofya und Alyona. Die beiden Mädchen kommen aus Usbekistan und sind auf Initiative des Meerbuscher Kulturkreises (MKK) derzeit für zwei Wochen in Deutschland zu Gast.

„Mich erstaunt immer wieder das deutsche Transport-System“, sagt Sofya auf die Frage, was ihr in Deutschland besonders aufgefallen ist. „Wenn an der Tafel steht, die Bahn kommt in einer Minute, dann kommt sie auch in einer Minute.“ Die 17-Jährige ist bereits zum zweiten Mal in Deutschland. 2013 nahm sie am Programm des Pädagogischen Austauschdienstes (PAD) teil. „Ich kenne bereits Bonn, Berlin und Hamburg“, erzählt sie.

Für die 16-jährige Alyona ist es der erste Besuch in Deutschland. Gemeinsam mit Sofya besucht sie in Meerbusch für zwei Wochen das städtische Gymnasium. Untergebracht sind beiden Usbekinnen bei Ingrid Kuntze vom Kulturkreis. „In der Schule verstehen wir alles, kommen gut mit. Nur Mathe ist etwas schwer“, sagt Alyona. Als einen der großen Unterschiede zur Heimat hat sie das Wetter ausgemacht: „Um diese Zeit sind bei uns etwa 40 Grad. Hier in Deutschland ist es mit weniger als 20 Grad sehr kalt.“

Die Idee zum Besuch der beiden Schülerinnen entstand anlässlich der MKK-Reise nach Usbekistan im vergangenen Jahr. Durch Kontakte zur deutschen Schule in der Hauptstadt Taschkent wurden die Schülerinnen eingeladen, sich am Wettbewerb für Schreibtalente zu beteiligen. Die erfolgreichen Teilnehmerinnen — Sofya und Alyona — wurden schließlich vom Kulturkreis eingeladen.

„Es gefällt mir sehr gut in Meerbusch“, sagt Alyona. Auch die Landeshauptstadt Düsseldorf haben die beiden Mädchen gemeinsam mit Ingrid Kuntze und dem Kulturkreis-Vorsitzenden Lothar Beseler schon besucht. „Auf dem Gourmet-Festival haben wir Austern probiert — das war aber nichts für mich“, sagt die 16-Jährige.

Am Mittwoch besuchten Sofya und Alyona Künstler Reimund Franke. In seinem Atelier erklärte er den Mädchen die Gießtechnik für den Bronzeguss oder wie er den großen Kontrabass vor der städtischen Musikschule anfertigte. Die Schülerinnen hören aufmerksam zu und der Künstler zeigt sich erstaunt über die guten Sprachkenntnisse von Sofya und Alyona. „Habt ihr auch deutsche Lehrer in Usbekistan?“, will er wissen. „Die hatten wir auch. Aber bei uns gibt es auch ein Goethe-Institut“, antwortet Sofya — flüssig und ohne nach deutschen Vokabeln zu suchen.

„Das Programm für die 14 Tage haben wir uns selbst ausgedacht“, erklärt Ingrid Kuntze. „Neben Düsseldorf haben wir auch schon den Kölner Dom besucht.“ Kontakt in die Heimat nehmen die Schülerinnen über das Internet auf. Am Donnerstag geht es zurück nach Usbekistan. Sofya überlegt, nach dem Schulabschluss ein Sprach-Institut zu besuchen, Alyona denkt über ein Tourismus-Studium nach — eine Rückkehr nach Deutschland scheint für beide vorstellbar.

Mehr von Westdeutsche Zeitung