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Vier Künstlerinnen haben ihre erste gemeinsame Ausstellung in Meerbusch

Kunst in Meerbusch : Künstlerische Frauenpower im Alten Küsterhaus

Katrin Gehlen, Lilli Bremes, Fini Jennes und Günay Akkol arbeiten regelmäßig im Atelier von Bildhauer Peter Rübsam. Nun zeigen sie ihre Werke.

Nach der Mode entdeckte Katrin Gehlen das Malen. „Die Farbe hat mich nie losgelassen“, erzählt die Designerin, „ich wollte meinen Beruf und meine zweite Leidenschaft gern zusammenbringen.“ Das gelang, stillte aber nicht ihren Appetit auf weitere Künste. „Was passiert wohl, wenn ich ein ganz anderes Material in den Händen halte?“, fragte sich die Düsseldorferin. Sie dachte dabei an Stein und überlegte, wer ihr die Bildhauerei beibringen könnte. Bis ihr Peter Rübsam begegnete, der zu Gast beim 85. Geburtstag ihres Vaters war, der Architekt und Maler ist. So erfuhr sie von der Sommerakademie, die Peter Rübsam als Dozent in Meerbusch abhielt.

Dort lernte sie Lilli Bremes und Fini Jennes kennen, beide aus Meerbusch. Später kam Günay Akkol dazu. Jetzt stellt sich das Quartett mit der Ausstellung „Bildhauerei und Malerei“ im Alten Küsterhaus vor, die Lilli Bremes maßgeblich organisiert hat. Katrin Gehlen ist mit dreierlei Genres dabei: Skulpturen aus Marmor und Alabaster, einem Ölgemälde mit spiritueller Anmutung sowie drei ihrer spektakulär drapierten „Art Wear“-Kleider, jedes für sich auch eine Art Skulptur. Gefertigt sind sie aus fester, mit Öl bemalter Leinwand. „Man muss sie nicht tragen, aber man könnte es durchaus tun, diesem Anspruch wollte ich als Modedesignerin zumindest gerecht werden“, sagt Gehlen. Zwei „Art Wear“-Schöpfungen korrespondieren im ersten Stock der Galerie mit Bildern von Lilli Bremes. „Wir sind ein harmonisches Team und ergänzen uns gut“, betont Katrin Gehlen. Sie war es schließlich, die Peter Rübsam die Bitte vortrug, mit der Gruppe in seinem Atelier arbeiten zu dürfen. „Dazu musste ich mich erst überwinden, das fragt sich nicht so einfach. Aber er ließ sich darauf ein.“

Günay Akkol, Fini Jennes, Lilli Bremes und Katrin Gehlen (v.l.) freuen sich auf ihre Ausstellung. Foto: Küsterhaus

Eine Vernissage ist
derzeit nicht erlaubt

Seit zwei Jahren kommt das Quartett dort an jedem Freitag zusammen. Mit Peter Rübsams Hilfe konnte Katrin Gehlen endlich ihren Wunsch verwirklichen, den Umgang mit Steinen zu erlernen. „Ich musste erstmal üben, wie man einen Meißel führt“, sagt sie. „Und ein Gespür entwickeln, wie ich auf den Stein eingehe. Anders als bei Modeentwürfen und Malerei wird nichts dazugegeben, sondern weggenommen. Aber bloß nicht zu viel, sonst fehlt dir etwas.“ Zuerst hatte sie keinen genauen Plan für eine Skulptur. „Doch dann machte der Stein mit mir, was er wollte.“ Rübsams Rat: „Du musst ihm die Richtung weisen und brauchst eine Grundorientierung, sonst verirrst du dich.“ Danach wurde es leichter.

Katrin Gehlen meditiert seit vielen Jahren und macht Yoga, auch lehrend. Entsprechend geht es bei ihren Skulpturen um den Blick in innere Welten. Neben einer sich abwärts windenden Schlange und dem „dritten Auge“ aus Alabaster ragt „Die Brücke“ aus Marmor auf, ein faszinierendes Zusammenspiel von seidenglatten und groben Oberflächen.

Die 83-jährige Fini Jennes besuchte ab 2006 die VHS-Sommerakademie in Meerbusch mit Peter Rübsam, wo Skulpturen aus Holz entstanden. Gemeinsam mit den drei anderen Künstlerinnen arbeitet sie seit knapp zwei Jahren freitags im Atelier des Düsseldorfer Bildhauers: „Dort entstehen aus einem Baumstamm oder Holzstück neue Holzwesen“. Aber Fini Jennes beschäftigt sich auch mit Malerei, belegt Workshops und nutzt Acrylfarbe, um mit Sand, Asche oder Spachtelmasse große Einzelblüten darzustellen. „Und jetzt habe ich meine erste Ausstellung, mit 83 Jahren“, freut sie sich. „Meine Tochter sagt, sie sei stolz auf mich.“

Für Günay Akkol ist die Kunst mehr als eine Freizeitaktivität: „Es ist ein Weg, auf dem ich mir selbst begegne. Die Kunst stellt eine Ausdrucksweise meiner Gefühle sowie Gedanken dar.“ In Lilli Bremes Leben spielt die künstlerische Darstellung ebenfalls eine wichtige Rolle. Seit zwölf Jahren malt sie im eigenen Atelier, besucht Workshops bei Viorel Chirea und hat vor rund fünf Jahren mit der Bildhauerei begonnen.

Auslöser war Sturm Ela, der ihren Nussbaum „dahinraffte“. Ihr Vater hatte ihn vor 60 Jahren gepflanzt, und sie wollte unbedingt einen Teil davon bewahren: „So entstanden unterschiedlichste Skulpturen.“ Sie schätzt es, dass im Rübsam-Atelier neben Holz auch Marmor verarbeitet wird und sagt: „Die Arbeit in der kleinen Gruppe macht sehr viel Freude.“

Die Ausstellung im Alten Küsterhaus in Büderich, Düsseldorfer Straße 6, beginnt am Freitag, 10. Juli, um 15 Uhr. Eine Vernissage ist derzeit nicht erlaubt. Öffnungszeiten bis 26. Juli: Freitag 15 bis 18 Uhr, Samstag/Sonntag 12 bis 18 Uhr.