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Viele Bürger nutzen den Wertstoffhof in Meerbusch

Wertstoffhof in Strümp : Hoch-Zeit für den Wertstoffhof

Viele nutzen die Ferien, um Keller oder Garage zu entrümpeln und den Garten schön zu machen. Für Holz, Reifen und Bauschutt wird beim Wertstoffhof eine Gebühr fällig.

Das Kabel steckt fest. Sabine Zapf zieht und zerrt, bis sie den Toaster endlich aus dem Karton herausgeholt hat. Die Osteratherin ist zum ersten Mal auf dem Wertstoffhof in Strümp. „Sonst macht das mein Mann“, erzählt sie. Aber der steht an diesem Montagmittag zuhause im Keller und entrümpelt. „Wir sind lange nicht fertig, aber ich wollte die erste Ladung schon mal wegbringen“, sagt sie. „Ich finde es toll, dass es für uns Meerbuscher vor der Haustür so ein Angebot gibt.“

Nun steht die 42-Jährige zwischen rund 15 grünen Containern und ist ein wenig ratlos, was wo entsorgt wird. „Grob gesagt: Was an der Steckdose hängt, ist Elektroschrott“, erklärt Harald Helesky. Die Kassetten entsprechend nicht. „Die können Sie im Restabfall entsorgen.“ Aber der verbeulte Ventilator, der darf noch rein in den Container mit Elektroschrott.

Harald Helesky und sein Kollege Christoph Mehring sind die beiden ständigen Mitarbeiter vom Wertstoffhof an der Berta-Benz-Straße. Sie kontrollieren am Kassenhäuschen, was die Kunden mitbringen und ob und wie viel sie dafür bezahlen müssen. Kunden, die häufig kommen, haben den ausgefüllten Wertstoffpass mit ihrem Kfz-Kennzeichen gut sichtbar auf dem Armaturenbrett liegen. „Das erleichtert uns die Kontrolle“, sagt Helesky. Andere müssen ihren Personalausweis vorzeigen, um nachzuweisen, dass sie in Meerbusch wohnen. „Denn das Angebot ist ausschließlich für Meerbuscher, weil sie es ja auch sind, die über die Müllgebühren die Entsorgung finanzieren“, erklärt Dana Frey, Abteilungsleiterin Umwelt und Klimaschutz bei der Stadt Meerbusch.

Helesky und Mehring beantworten aber auch alle Fragen rund um die Entsorgung, sie ordnen die Containerinhalte, stapeln die Altreifen zu Türmen, entfernen Batterien aus Altgeräten und sortieren bei ihren Kontrollgängen aus, was im falschen Container entsorgt wurde: Harald Helesky rupft eine Folie aus dem Papiercontainer, dann geht er weiter zum Sperrgut. „Manchmal sind es richtig tolle Sachen, die hier landen. Da versteht man gar nicht, wa­rum jemand das wegwirft.“ Aber natürlich dürfen die Mitarbeiter nichts mitnehmen – „das wäre Diebstahl“. Hin und wieder kommt es aber vor, dass die Kunden den Männern kleine Keramikfiguren schenken: Nippes. „Die stellen wir vor unserem Kassenhäuschen auf“, sagt der 56-Jährige. „Und die Kinder dürfen sich ein Figürchen mitnehmen.“

An einem normalen Tag
kommen 280 bis 320 Kunden

Anfang Juli ist der Wertstoffhof Meerbusch neun Jahre alt geworden. Mehring ist von Anfang an dabei, Helesky seit drei Jahren. „Das Angebot wird gut angenommen“, sagt Helesky. „Normal sind 280 bis 320 Kunden am Tag, zu Beginn waren es 100.“ Besonders beliebt sind die Samstage, da sei durchgängig was los. In diesem Jahr wurde auch ein neuer Besucherrekord aufgestellt: Am Mittwoch vor Ostern kamen rund 500 Kunden.

Betreiber des Wertstoffhofs ist die Firma Schönmackers. „Die Kooperation wird alle acht Jahre neu ausgeschrieben“, erklärt Dana Frey. „Wir sind froh, dass Schönmackers Entsorgungspartner der Stadt ist und in Meerbusch die komplette Entsorgung in der Hand einer Firma liegt.“ Für rund 500 000 Euro wurde der Strümper Müll-Drive-In damals gebaut. „Das war eine der besten Entscheidungen, die wir getroffen haben“, betont Dana Frey. Sogar aus den Nachbarstädten kamen schon Verwaltungskollegen vorbei, um sich die beispielhafte Anlage anzuschauen. Dana Frey: „Unsere Vorbilder damals waren die Städte Monheim und Willich, daraus haben wir gelernt.“ Etwa wie wichtig es ist, dass die Zufahrt geregelt ist und kein Stau entsteht. Außerdem sollte das Entsorgen für die Bürger so bequem wie möglich sein. Deshalb sind die Container für Grünabfall, Sperrgut und Baumaterial in den Boden eingelassen. „Niemand muss seinen Abfall mühsam über einen Containerrand hieven, sondern kann ihn einfach aus dem Kofferraum abladen“, sagt die Umwelt-Fachfrau. Auch die Papierpresse für sperrige Kartons hebt Dana Frey als Besonderheit hervor und appelliert an die Bürger: „In Meerbusch muss wirklich niemand seine Kartons neben den Containern am Straßenrand abstellen.“ Und ist ein Behälter voll, fährt ein Lastwagen heran und tauscht ihn aus. Das passiert durchschnittlich viermal pro Tag. Die Lkw bringen den Abfall zur Kompostierungsanlage in Korschenbroich oder zur Deponie in Neuss; Metallschrott wird beispielsweise in Krefeld entsorgt.

Harald Helesky fischt eine Glasvase aus dem Bauschutt-Container. Den hat dort erst vor wenigen Minuten eine Dame entsorgt. „Obwohl ich ihr noch gesagt habe, dass das nicht erlaubt ist“, ärgert sich der 56-Jährige. Aber nun ist die Frau weg. Manchmal passiert es auch, dass Kunden aufgebracht und wütend sind, wenn sie von den Mitarbeitern angesprochen werden. Etwa, weil sie für ihren Abfall nicht zahlen oder diesen nicht wieder mitnehmen wollen. Dabei: Bestimmte Sachen, etwa Kühlschränke oder Schadstoffe wie Lacke, Öl und Säuren, darf der Wertstoffhof gar nicht annehmen. „Manche Kunden haben dafür leider kein Verständnis“, erzählt Dana Frey. Die Mitarbeiter sind für solche Zwischenfälle eigens geschult.

Drei Einbrüche innerhalb
von sechs Wochen

Trotzdem kam es schon vor, dass sie die Polizei alarmieren mussten, die die Pöbler vom Hof geschickt hat. „Aber die meisten sind sehr nett“, betont Helesky. Peter Koenders etwa. Der kommt nahezu an jedem Öffnungstag. „Mein Garten ist relativ groß, da fällt viel an“, erzählt er. An diesem Tag hat er den Männern vom Wertstoffhof einen Beutel selbst geerntete Ontario-Pflaumen mitgebracht – als Dankeschön. „Andere bringen im Sommer auch mal ein Eis mit oder Wasser“, erzählt Harald Helesky. Sein Kollege ergänzt: „Ganz viele Kunden kennen wir persönlich.“ Neulich erst, da sei einem Mann der Autoschlüssel in den Sperrgut-Container gefallen. „Das kommt vor, aber natürlich dürfen die Leute nicht in die Container klettern – viel zu gefährlich.“ Helesky konnte den Schlüssel schließlich mit seinem selbst gebastelten Haken herausfischen. „Die beiden sind immer so hilfsbereit“, lobt Peter Koenders.

Umso wütender ist Dana Frey da­rüber, dass es zuletzt drei Einbrüche innerhalb von sechs Wochen gab. Die Täter haben die Kasse mitgenommen, außerdem „die gute Kaffeemaschine“ und einen Werkzeugkasten. „Das Gelände ist zwar abgeschlossen, aber es liegt relativ einsam“, sagt Frey. Ab sofort lohnt sich ein Einbruch aber nicht mehr: „Die Kasse wird täglich geleert, und der Hof ist nun videoüberwacht.