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Umweltschutz in Meerbusch: Sechs Jahre Wildblumenwiesen

Umweltschutz in Meerbusch : Wildblumenwiesen blühen seit 2015

Wo vorher ausschließlich Rasen war, blühen nur ein Jahr später unzählige Margeriten. Im Mai 2019 haben städtische Mitarbeiter eine Fläche am Mollsfeld in eine Wildblumenwiese umgewandelt. Im Mai des Folgejahrs blühte es dort nicht nur, sondern es kroch, summte und krabbelte auch.

„Der Einsatz hat sich gelohnt“, zieht Michael Betsch, Fachbereichseiter Baubetriebshof, Friedhöfe, Grünflächen, Bilanz. „Besonders mit Blick auf die Artenvielfalt.“

Was im Jahr 2015 als Pilotprojekt auf zwei Flächen am Fouesnantplatz in Strümp und an Haus Meer startete, ist längst ein Erfolg. In sechs Jahren wurden im Stadtgebiet insgesamt 102 119 Quadratmeter Wildwiesen angelegt, das sind mehr als zehn Hektar. Weitere Standorte sind am Ossumer Weg, am Heidbergdamm und an der Brunnenstraße (alle aus dem Jahr 2016), an der Buschstraße (2017), am Landschaftspark am Strümper Busch (2018),an der Krefelder Straße, am Mollsfeld und drei Flächen an der Westumgehung (2019) sowie zwei weitere Flächen an der Westumgehung in diesem Jahr.

Auch im Landschaftspark Strümp gibt es Wildblumenwiesen. Foto: Stadt Meerbusch

Das Saatgut für die Flächen
hat 19 000 Euro gekostet

„Wir haben für diese Flächen während dieser Zeit fast 19 000 Euro für ausgewähltes Saatgut ausgegeben“, erklärt Betsch. „Das ist viel Geld, aber es lohnt sich auf jeden Fall.“ Bester Beweis sei die Auswertung eines Fachmanns, der einmal im Jahr sämtliche Flächen kartiert habe und allen eine „sehr hohe“ Artenvielfalt bescheinigte.

Wildblumenwiesen Meerbusch Foto: Stadt Meerbusch

Zwei Dinge stellte Michael Betsch klar: Er warnte davor, sich jede Wildblumenwiese als prächtiges Blumenmeer vorzustellen. „Ich werde hin und wieder darauf angesprochen, warum denn auf einigen Wiesen kaum etwas sichtbar bunt blüht, etwa an Haus Meer.“ Das sei aber normal und liege am „fetten Meerbuscher Boden“. Dieser Boden ist besonders gut. Allerdings entwickelten Blumen in mageren Böden, etwa in den Alpen, viel mehr Blühkraft.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Art und Weise, wie solche Wildblumenwiesen entstehen. „Das erfordert sehr viel Arbeit“, erklärte er. „Artenreichtum erreicht man nicht einfach dadurch, dass man eine Wiese wild wachsen lässt. Dann entsteht irgendwann ein Wald. Wichtig ist, dass man etwas tut und Mühe reinsteckt.“ So werden die ausgesuchten Flächen erst gemäht und dann gefräst. Dabei wird das Gras komplett umgepflügt. Im März oder April kann das Saatgut eingebracht werden.

Auch das Mähen ist entscheidend dafür, wie gut sich die Wildblumenwiese entwickelt. Je nach Standort wird eine solche Wildblumenwiese nach dem ersten Jahr ein bis zweimal zu bestimmten Zeitpunkten gemäht. Entweder im Juni und zusätzlich Anfang Oktober oder nur Ende Juli/Anfang August. „Wir lassen dann immer bis zu 15 Prozent der Fläche stehen, um Tieren einen Rückzugsort zu bieten“, so Betsch. Wesentlich sei auch, dass das Mahdgut eingefahren wird und nicht einfach liegen bleibt. Erkennbar sind die städtischen Wildblumenweisen an einem Schild, das an den jeweiligen Flächen platziert ist. Michael Betsch wirbt dafür, dass das erfolgreiche Projekt auf jeden Fall weitergehen soll und nach sechs Jahren noch lange nicht Schluss ist.