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Treue Paten für den Caritas-Mittagstisch

Treue Paten für den Caritas-Mittagstisch

Spender finanzieren Essen, doch die Scham ist groß, das Angebot anzunehmen.

Osterath. Der Fahrbare Mittagstisch der Caritas beliefert 180 Kunden in Meerbusch. Doch nicht jeder, der es benötigt, kann sich das heiß gelieferte Essen täglich oder wenigstens mehrmals in der Woche leisten. Die Idee, Paten zu finden, die individuell und anonym die Kosten für diese Menschen übernehmen, wurde vor einem Jahr in die Tat umgesetzt.

Monatliche Patenschaften sind noch selten, berichtet Bärbel Mosch, Leiterin der Caritas-Station in Osterath jetzt. „Firmen und Vereine spenden einmalig, was natürlich sehr willkommen ist.“

Acht Senioren wurden im laufenden Jahr unterstützt. Das scheint wenig. „Es gibt viele, die Hilfe benötigen, das aber nicht zugeben wollen“, erläutert Mosch. Diese Menschen reduzierten eher die Bestellungen, als das Geschenk der Paten anzunehmen. Die Betroffenen anzusprechen, ohne sie zu verletzen, sei eine schwierige Aufgabe.

Dass sie ihre Scham überwunden haben, hat drei Senioren in besonderer Not geholfen: Sie erhielten das Essen über Monate zu einem symbolischen Betrag, konnten Geld sparen und sich so von drückenden Schulden befreien. Zurzeit benötigen sie die Unterstützung nicht mehr.

„Wer um Hilfe gebeten hat, dem haben wir geholfen“, schildert Bärbel Mosch das unbürokratische Prozedere.

Die einmaligen Spender, außerdem zwei Familien, die jeden Monat einen festen Betrag überweisen („Davon bräuchten wir noch mehr“) und engagierte Ehrenamtlerinnen wie Stephanie Bode und Iris Sternemann tragen das System zurzeit. Bode und Sternemann haben schon 600 Euro in das Projekt investiert. „50, 80 oder 100 Euro überweisen wir monatlich“, sagt Bode.

Die beiden organisieren einen Second-Hand-Verkauf für Kinderkleidung, früher im Kindergarten („Wir haben zusammen sechs Kinder“), später aus Schuppen und Garagen heraus. Seit zwei Jahren haben sie ein Ladenlokal, „Ratz und Rübe“, in dem sie mit sechs Teamkollegen Kleidung von über 400 Verkäufern anbieten.

75 Prozent des Erlöses gehen an den Verkäufer, dann werden Miete und Versicherung abgezogen. Der Rest wird gespendet — ein Großteil für den Mittagstisch. Auf dem Nikolausmarkt in Osterath wird „Ratz und Rübe“ am Sonntag wieder dafür werben.