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Tierschutzverein: „Jetzt ist auch die Stadt gefordert“

Tierschutzverein: „Jetzt ist auch die Stadt gefordert“

Der neue Vorstand will die Themen Pflegestellen und Kastrationspflicht verstärkt angehen.

Meerbusch. So lange ist es noch nicht her, da stand der Tierschutzverein in Meerbusch vor dem Aus. Margot und Peter Kötting-Pies hatten sich zehn Jahre lang verausgabt, Nachfolger waren nicht in Sicht. Dem Hilferuf folgten dann aber doch einige Tierfreunde, bildeten einen neuen Vorstand, bei dem die Last auf mehreren Schultern verteilt wurde — und das in allen Ortsteilen.

Zunächst bestand die Aufgabe darin, den Meerbuschern wieder das Gefühl zu vermitteln, dass Tierschutz aktiv betrieben wird, dass rund um die Uhr jemand erreichbar ist, und dass sich kompetente Helfer um ausgesetzte oder misshandelte Tiere kümmern. Diese erste Phase erklärt der fünfköpfige Vorstand nun für beendet. Jetzt gehe es darum, konkret bestimmte Themen abzuarbeiten.

Ein Kernproblem: „Wir wollen die Situation der Pflegestellen für herrenlose Tiere verbessern und suchen dringend tierliebe Menschen, die ab und zu mal einen Hund oder eine Katze aufnehmen“, erklärt Petra Norden. Die Verweildauer der in der Regel gesunden und zahmen Vierbeiner sei oft nur kurz, denn die Vermittlung in Meerbusch laufe prima. Man müsse auch nicht permanent verfügbar sein, „zwei- oder dreimal im Jahr wäre schon toll“, sagt Norden.

Ein weiteres wichtiges Thema: die Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für freilaufende Katzen. „Das novellierte Tierschutzgesetz hat die Landesregierungen ermächtigt, den Kommunen dafür eine rechtliche Handhabe zu erteilen. Daher ist jetzt auch die Stadt gefordert. Wir wollen nach den Sommerferien dazu das Gespräch mit dem Bürgermeister suchen“, sagt Artur Unger.

Es gebe immer noch zu viele uneinsichtige Katzenbesitzer, die ihre unkastrierten Tiere draußen rumlaufen lassen. Konsequenz: Die Katzen würden sich unkontrolliert vermehren und womöglich unter unwürdigen Umständen krank und unterernährt vor sich hinvegetieren. Unger: „Das macht 90 Prozent unserer Arbeit aus. Und eine Kastration ist teuer, kostet bei Katern 80 und bei Weibchen 120 Euro.“

Trotz der vielen Arbeit, die auf den neuen Vorstand zugekommen sei, bereut Unger sein Engagement nicht. „Ich bekomme als Ansprechpartner zwar bis zu zehn Anrufe am Tag, aber wir haben fast in jedem Stadtteil Mitstreiter, die dann auch bereit sind, vor Ort nach dem Rechten zu schauen. Verantwortungsgefühl und Einsatzbereitschaft sind groß, das Delegieren funktioniert“, so der ehemalige Fachbereichsleiter bei der Stadtverwaltung.

Unger kann genügend positive Beispiele dafür nennen: „Wir kommen auch, wenn jemand ein einsames Huhn auf einem Parkplatz meldet.“ In einem anderen Fall sei ein kleiner Hund nie vor die Tür gekommen. „Der Mitarbeiter hat zehnmal umsonst geklingelt. Beim elften Mal hat uns der Besitzer den Hund freiwillig überlassen“, erzählt Unger.

Langfristig will der Tierschutzverein in Meerbusch eine Auffangstation für streunende Katzen schaffen. „Dafür benötigen wir aber ein passendes Grundstück und entsprechend die Hilfe der Stadt“, sagt der Vorstandssprecher.