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Stadtarchiv bleibt in Meerbusch, Trägerschaft noch ungeklärt

Stadtarchiv Meerbusch : Das Stadtarchiv bleibt in Meerbusch

In Bovert entsteht dafür ein Neubau. Ob in Zukunft Kreis oder Stadt Träger sein werden, ist noch unklar.

Eigentlich haben beide Themen nichts miteinander zu tun. Am Ende aber doch: Zum einen wird das Rechnungsprüfungsamt der Stadt Meerbusch innerhalb der Rathausmauern aufgelöst und werden die Arbeiten an den Kreis verlagert. So machen es die anderen Kommunen im Kreis auch, und Meerbusch schließt sich ihnen nur an. Das Personal sei in diese geplante Veränderung immer eingebunden gewesen, berichtete Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage am Dienstagabend im Hauptausschuss, alle hätten neue Stellen innerhalb der Verwaltung akzeptiert. Vorteil: Die Stadt spart dadurch 260 000 Euro.

Und dann soll noch etwas vom Kreis erledigt werden, was aber nicht so von der Politik goutiert wird wie der Wechsel der Rechnungsprüfung, die im Übrigen mehrheitlich beschlossen wurde: das Stadtarchiv. Darüber schwelt schon seit Monaten ein Streit, der jetzt zumindest mit einem kleinen Etappensieg für die Archivfreunde in die nächste Runde gehen kann.

Der Hintergrund ist klar: Das Stadtarchiv ist seit Jahren in Räumen der Adam-Riese-Schule in Büderich untergebracht, die vor dem Hintergrund der Bevölkerungsentwicklung demnächst wieder für Schüler hergerichtet werden sollen. Das Archiv muss also ausziehen. Kann das dann nicht direkt an den Kreis übergehen, fragte Bürgermeisterin Mielke-Westerlage vor einigen Wochen und fühlte im Kreis vor. „Kein Problem“, hieß es von dort. Doch Meerbuscher Historiker, Archivfreunde und Politiker hatten mit dieser Ausgliederung ein Problem. Gerade im Jahr des Stadtjubiläums sei doch das Archiv ein Stück Identität und Geschichte von Meerbusch, hieß es unisono. „Das Archiv muss in Meerbusch bleiben“, lautete schon die Meinung in der vorherigen Sitzung des Hauptausschusses.

Bestehende Alternativräume waren ungeeignet für das Archiv

Die Bürgermeisterin ließ daraufhin einige freie Räume und Immobilien auf ihre Archivtauglichkeit prüfen, und sie und die Gebäude-Experten kamen zu dem Schluss, dass eigentlich nichts geeignet sei. Im Gespräch waren zum Beispiel die Barbara-Gerretz-Schule, die frühere Kita an der Bösinghovener Straße, das Silogebäude an der Ladestraße oder freie Räume in Schulen. Also wurde ein Anbau am Erwin-Heerich-Haus in Bovert angedacht. Kosten: mindestens 900 000 Euro. Hinzu kämen jährliche Betriebskosten von knapp 200 000 Euro. Hier schlägt die Bürgermeisterin wiederum zwei Optionen vor: Bei der einen betreibt die Stadt das Archiv selbst, bei der anderen gibt es eine Kooperation mit dem Archiv des Rhein-Kreises Neuss. Schon andere Kommunen hätten ihre Archive auf den Kreis übertragen, so Mielke-Westerlage. Von ihrer Wunsch-Variante, das Meerbuscher Archiv komplett an den Kreis abzugeben, musste sich die Bürgermeisterin auf Drängen der Politik verabschieden.

„Wir würden das stemmen können“, so Tilmann Lonnes, Kreis-Kulturdezernent in der Sitzung des Hauptausschusses. „Und die Stadt Meerbusch bleibt Eigentümerin des Archivguts.“ Er würde das Archiv mit 1,58 Stellen besetzen, die würde die Stadt dann sparen. Das Meerbuscher Archiv ist zurzeit mit Michael Regenbrecht als Leiter besetzt, der über seinen eigentlichen Ruhestand hinweg jetzt noch ein Jahr länger arbeitet. Eine zweite Kraft arbeitet auf einer halben Stelle.

Den meisten Politikern war der Vorschlag des Kreises als Archiv-Träger suspekt, sie verstanden nicht, welchen Mehrwert es für den Kreis hätte, das Meerbuscher Archiv zu übernehmen. Allein die CDU plädierte für den Verwaltungsvorschlag. Auch, um 71 000 Euro zu sparen, wie Fraktionsvorsitzender Werner Damblon meinte. Die anderen Parteien hatten sich zuvor auf einen interfraktionellen Antrag geeinigt und wollen das Archiv eigentlich in Meerbusch halten – auch in Regie der Stadt. Diesen finalen Beschluss der Trägerentscheidung aber vertagten sie am Ende einer längeren Diskussion.

Das heißt jetzt erst mal: Für das Archiv werden zum einen Räume im Erwin-Heerich-Haus frei gemacht, zum anderen gibt es einen kleinen Anbau. Wer es dann letztendlich betreibt – ob die Stadt in eigener Regie oder der Kreis, der seine Mitarbeiter dann aber nach Meerbusch schicken würde – soll in einer nächsten Sitzung auf Basis eines Vertragsentwurfs beraten werden.