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Spielplatzkontrollen: An der Schaukel muss jede Schraube sitzen

Spielplatzkontrollen: An der Schaukel muss jede Schraube sitzen

Die Stadt führt regelmäßig Kontrollen durch, um Beschädigungen zu beseitigen und Gefahren auszuschließen.

Meerbusch. Ungeheuerlich sei das, meckerte eine Osteratherin bei einem Telefonat mit der Stadt. Die Frau hatte Mitarbeiter des Bauhofes auf einem Spielplatz beobachtet. Und was taten diese? „Die haben gespielt, statt zu arbeiten“, empörte sich die Anruferin.

In Wirklichkeit hatte an diesem Tag eine Grünkolonne der Stadt im Rahmen ihrer wöchentlichen Kontrolle die Geräte auf deren Funktionstüchtigkeit überprüft. Elf zertifizierte Mitarbeiter in der Stadt müssen regelmäßig an 95 Standorten 600 Spielgeräte inspizieren — und ganz nebenbei noch Dreck und Scherben einsammeln sowie Graffitischmierereien oder Vandalismusschäden beseitigen.

Thomas Leiers ist beim Bauhof der Fachmann für die operativen Inspektionen. Seit 28 Jahren belässt es der Bauschlosser bei seinen monatlichen Rundgängen nicht bei einer visuellen Routinekontrolle. Leiers schaut ganz genau hin: „Es gibt an diesen Geräten viele Verschleißteile, die in regelmäßigen Abständen ausgetauscht werden müssen, um eine Gefahr auszuschließen.“

Oft seien Beschädigungen aber auch mutwillig herbeigeführt worden, ohne dass man sie sofort sehen könne — wenn zum Beispiel Schrauben gelöst oder Schaukelketten mit dem Bolzenschneider angesägt wurden. „Alles schon dagewesen“, sagt Leiers.

Die Spielplatzkontrolle sei alles andere als ein 08/15-Job, betont Bauhofleiter Michael Betsch. „Die Mitarbeiter müssen sich ständig weiterbilden, um geänderte DIN-Normen, Vorschriften oder Spielgeräte, die neu auf den Markt kommen, zu kennen“, sagt Betsch. Bei einem Blick in das knapp 130 Seiten umfassende Seminarheft denkt der Laie in der Tat eher, er habe es mit höherer Mathematik zu tun. „Man muss jederzeit die Fallhöhe von einem Gerät berechnen können“, nennt Leiers eine mögliche Aufgabenstellung.

Ein gewisses Restrisiko würde es dennoch immer geben, sagt Betsch. „Sonst wäre das für die Kinder auch langweilig und der Spielplatz würde nicht genutzt. Wir müssen dieses Risiko nur so weit wie möglich minimieren“, so der Bauhofleiter. Um sich rechtlich abzusichern, gelte ein penible Dokumentationspflicht, mit der belegt werden kann, wann ein Gerät das letzte Mal überprüft wurde. Verklagt wurde die Stadt bisher aber noch nie. Leiers: „Ich weiß, wo die Schwachstellen liegen. Mir entgeht nichts.“