Sozialwohnung: Stadt hat es in der Hand

Sozialwohnung: Stadt hat es in der Hand

Expertenanhörung zeigt Politikern Möglichkeiten und Chancen auf.

Meerbusch. Mit 7,35 bis 8 Euro pro Quadratmeter zahlen Meerbuscher im Rhein-Kreis-Vergleich die teuerste Miete, informierte Sozialdezernentin Angelika Mielke-Westerlage am Donnerstag zu Beginn der Sondersitzung zum Sozialen Wohnungsbau. Die Botschaft der Experten ist am Ende klar: Stadtplaner und Politiker können die Weichen stellen, um im teuren Meerbusch günstigen Wohnraum zu schaffen.

Die Festlegung eines bestimmten Anteils günstigen Geschosswohnungsbaus in einem Neubaugebiet oder die Beteiligung der Stadt an den Einnahmen, wenn landwirtschaftliche Fläche zu Bauland wird, seien geeignete Instrumente, hieß es.

Der ehemalige Ministerialdirigent Hans-Dieter Krupinski machte Mut zum Geschosswohnungsbau („Sie haben ja einen sehr kleinteiligen Städtebau in Meerbusch“), zeigte gelungene Beispiele aus Köln und Neuss und verwies auf einen konkreten Nutzen: Die Stadt spare Kosten für Unterkunft, die sie für Bedürftige zahle, die mangels Alternative in einer zu großen oder teuren Wohnung lebten.

Mehrgeschossigkeit und Wohngemeinschaften sind für den Stadtplaner zeitgemäße Antworten auf demographischen Wandel und sinkende Einnahmen.

Die Finanzexperten Rita Tölle und Rainer Janssen vom Landesbauministerium legten parallel dazu ausführlich dar, welche Förderansätze das Land verfolge — und auch, dass ein 800-Millionen-Euro-Topf im vergangenen Jahr nicht abgerufen wurde: Der private Geldmarkt finanziere zurzeit sehr günstig, ohne anschließend eine günstige Mietpreisbindung zu fordern.

Im Auditorium saßen Vertreter der Wohnungsbaugesellschaften GWG, GWH und Bauverein, die in Meerbusch tätig sind.

GWG und Bauverein haben Sozialwohnungen im Altbestand, auf öffentlich geförderte Neubauten aber zuletzt verzichtet. Angesichts der aktuellen Diskussion verwiesen beide auf Potenzial: Fünf von 22 Wohnungen am Eulengrund in Lank (GWG), Baugrundstücke im Büdericher Süden (Bauverein). Die Förderbedingungen seien so verändert, dass man über sozialen Wohnungsbau wieder nachdenken könne, so der Bauverein-Geschäftsführer Peter Wulbeck.

Konkretes hatte die GWH im Gepäck: Im Bereich Frankenweg könnten bis zu 120 Wohneinheiten (1 oder 2 Zimmer) entstehen, auch Wohngemeinschaften seien denkbar. „Das ergibt sich aus der Nachfrage, der Druck ist groß“, sagt GWH-Geschäftsführer Stefan Bürger.

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