Latumer See: So will Meerbusch die Anakonda fangen

Latumer See : So will Meerbusch die Anakonda fangen

Die Gelbe Anakonda im Latumer See hält weiterhin die Stadtverwaltung von Meerbusch in Atem. Die Würgeschlange soll möglichst lebend gefangen werden — das könnte aber langwierig werden.

Düsseldorf. Die Gelbe Anakonda im Latumer See hält weiterhin die Stadtverwaltung von Meerbusch in Atem — und ist inzwischen zur Chefsache geworden: Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage saß am Montag in der Expertenrunde mit Ordnungshütern und Vertretern des Düsseldorfer Aquazoo, um die Jagd auf die Würgeschlange abzustimmen. Ziel sei es, das Tier „möglichst bald und möglichst lebend“ aus dem See zu holen.

Das allerdings wird schwierig und mitunter auch langwierig. Die Schlange ist scheu und reagiert sofort, wenn sie Bewegungen im Wasser bemerkt, so die Fachleute. Deshalb soll sie jetzt geködert werden — aber aus nachvollziehbaren Gründen fehlt es in Deutschland an Equipment für die Anakonda-Hatz. „Es ist schon nicht einfach, die geeignete Reuse zu finden“, sagt Arnd Römmler vom Meerbuscher Ordnungsamt. Ob und wie die Schlange auf Köder reagiert ist ebenfalls offen. „Wir können nur unser Glück versuchen“, so Römmler. Wenn Mitte der Woche das Wetter schöner wird, stünden die „Chancen ganz gut“. Denn dann könnte die Anakonda das Wasser zum Aufwärmen verlassen.

Bis zum Montag waren alle Zugänge zum See mit Absperrgittern verriegelt. Nun sollen sie aber durch Hinweisschilder ersetzt werden, damit Passanten wieder Zugang haben, Hundebesitzer etwa aber gewarnt sind, ihren Dackel nicht allzu nah ans Ufer zu lassen.

Am Dienstag wolle die Ordnungsbehörde aber noch keine Aktion am See starten, gab die Stadt Meerbusch bekannt. Stattdessen werden noch mal Experteneinschätzungen eingeholt.

Inzwischen macht man sich in Meerbusch auch eingehendere Gedanken, woher die Anakonda denn gekommen sein könnte. „Es besteht eine Meldepflicht nach den Artenschutzgesetzen“, erklärt Römmler. Aber im ganzen Rhein-Kreis Neuss sei keine Gelbe Anakonda gemeldet. Ob das allerdings bedeutet, dass wirklich keine Schlangen dieser Art in der Umgebung gehalten werden, ist unklar.

Bislang müssen bei der Unteren Naturschutzbehörde einer Stadt lediglich Exoten gemeldet werden, wenn sie vom Washingtoner Artenschutzabkommen besonders geschützt sind. Auskunft gibt laut Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) das Online-Portal Wisia (Wissenschaftliches Informationssystem zum Internationalen Artenschutz) — demnach müssen die Gemeinden informiert sein, wo Griechische Landschildkröten, die geschützt sind, gehalten werden. Nicht aber, wer eine Puffotter hält, deren Gift reichen würde, um gleich mehrere Menschen zu töten.

Der Landestierschutzverband kritisiert seit Jahren, dass es in NRW mehr Auflagen gibt „wenn man einen Pudel hält als eine Königskobra“. So äußerte sich Vize-Präsident Ralf Unna in der Diskussion um ein Gefahrtiergesetz. Um dieses rang die Landesregierung seit 2014, arbeitete an komplizierten Listen, die selbst für Elefanten und Nashörner Regelungen enthielten.

Doch im Dezember 2016 berichtete der damalige Umweltminister Johannes Remmel (Grüne), das Gesetz scheitere an der Ablehnung der kommunalen Spitzenverbände: „Die mit dem Gesetzesvorhaben verbundenen behördlichen Überwachungsaufgaben seine mit den bestehenden Kapazitäten nicht leistbar.“ Heißt: Man will das neue Gesetz nicht, weil damit neue Kontrollaufgaben einhergingen. „Es war ärgerlich“, sagt ein Sprecher des Umweltamtes auf Anfrage dieser Zeitung. „Wir waren auf einem guten Weg.“ Seither sei das Gesetz „in der Schublade verschwunden“. Dass es da in naher Zukunft wieder herauskomme, sei aber nicht ausgeschlossen. Die Gelbe Anakonda wäre laut dem Gesetzentwurf übrigens als Riesenschlange, die über drei Meter lang werden kann, komplett verboten.

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