Sicherheit auf Meerbuscher Fahrradstraßen in Büderich

Verkehr in Meerbusch : Pro und Contra neue Fahrradstraßen

Eltern kritisieren die Fahrradstraßen In der Meer und Karl-Arnold-Straße als gefährlich.

Montagmorgen gegen 7.40 Uhr an der Karl-Arnold-Straße in Büderich. Mehrere Jungs, alle etwa zwölf Jahre alt, fahren Richtung Mataré-Gymnasium: laut quatschend, nebeneinander, einer von ihnen freihändig, mal schert einer aus, dann lässt sich einer zurückfallen. Dahinter, nur wenige Meter Abstand, ein Transporter – der Fahrer sichtlich genervt. Zu Unrecht, denn Radfahrer haben dort generell Vorrang vor dem motorisierten Verkehr. Seit Ende August sind die Straßen In der Meer und Karl-Arnold-Straße bis Niederdonker Straße sogenannte Fahrradstraßen.

„Diese Regelung ist ein wahrer Schildbürgerstreich“, sagt der Büdericher Bolko-Lewin von Katte. „Wir hatten in diesem Bereich eine sichere Fahrradstrecke mit fleißig genutzten Radwegen, die nun einfach beseitigt wurden. Meiner Meinung nach dient das Ganze nicht der Sicherheit der Radfahrer. Denn die müssen sich seitdem die Fahrbahn mit Bussen und Autos teilen. Nur die Anwohner der umliegenden Straßen, die freuen sich, weil sie mehr Parkplätze haben.“ In Fahrtrichtung Niederdonker Straße wurden die ehemaligen Radwege zu Parkstreifen umfunktioniert. Die Autos parken seitdem zur Hälfte auf der Straße und zur Hälfte auf der rot markierten Fläche.

Die Stadt plant bereits
weitere Fahrradstraßen

Auch in Teilen der Elternschaft des Mataré-Gymnasiums sei das Projekt Fahrradstraße umstritten. „Ich habe mit vielen Eltern gesprochen, alle halten die neue Regelung für gefährlichen Unsinn.“ Bei einzelnen Elternabenden sei sogar beschlossen worden, dass die Kinder weiterhin die alten Fahrradwege nutzen sollen. Viele Eltern würden ihre Kinder außerdem weiterhin mit dem Auto zur Schule bringen – „zum Teil deutlich schneller als angemessen“, so von Katte.

Christian Gutjahr-Dölls, Schulleiter am Mataré-Gymnasium, benutzt an diesem Morgen ebenfalls die Fahrradstraße. „Bislang haben wir keinerlei Probleme“, sagt er. „Im Gegenteil: Meinem Empfinden nach hat das Chaos mit den Eltern-Taxis tatsächlich ein wenig abgenommen.“ Ob wegen der Fahrradstraße tatsächlich mehr Schüler mit dem Rad kämen, könne er nicht beurteilen. „Ich glaube aber, dass die Fahrradstraße dazu motiviert, mit dem Rad zu fahren.“ Die Stadt Meerbusch will an den Fahrradstraßen festhalten und plant bereits weitere: Für die Zukunft ist geplant, die Fahrradstraße entlang der Niederdonker Straße weiter zu führen, um eine Verbindung zwischen Poststraße (Landsknecht) und Mataré-Gymnasium bis zum Eisenbrand zu schaffen. Das Argument: Fahrrad­straßen machten das Radfahren attraktiver, da die Fahrer mehr Platz hätten als auf kombinierten Geh- und Radwegen, nebeneinander fahren dürften und sich dabei unterhalten könnten. Radfahrer seien dort besonders sicher, da der Kfz-Verkehr nur langsam fahren dürfe. Das Ziel: Mehr Bürger sollen motiviert werden, das Rad zu nehmen und das Auto für Fahrten innerhalb eines Ortsteils stehen zu lassen.

Dazu sagt Bolko-Lewin von Katte: „Dass das wahre Leben sich nicht an den Vorstellungen der Politiker orientiert, scheint denen entweder nicht bewusst zu sein, oder sie ignorieren es.“ Er befürchtet, dass die Gefahr in den kommenden Wochen noch zunimmt: „Dann ist es morgens dunkel, und natürlich gibt es genug Räder, die kein gutes oder gar kein Licht haben. Auf dem Radweg war das noch halbwegs egal, aber zwischen all den fahrenden Autos und Bussen ist das gefährlich.“

Apropos gefährlich: Mit Beginn der Fahrradstraße hat sich auch die Vorfahrtsregelung an der Kreuzung In der Meer/Im Bachgrund geändert. Die Autofahrer auf der Straße Im Bachgrund haben keine Vorfahrt mehr, sondern müssen an der Kreuzung anhalten. Zusätzlich zu den Stoppschildern signalisieren Haltelinien, Piktogramme und Bodenschwellen, dass die Radfahrer auf der Straße In der Meer Vorfahrt haben.

Laut Polizei funktioniert
die Fahrradstraße gut

„Diese Veränderung ist höchst sinnvoll und war lange überfällig“, sagt dazu von Katte. Das Problem sei nur, dass sich zu viele Autofahrer nicht an die Regelung hielten. Seine Tochter, die meistens mit dem Rad zum Mataré fährt, schildert: „Einige Autos fahren bis in den rot markierten Bereich in die Kreuzung hinein. Andere missachten das Stopp-Symbol komplett.“ Auch an diesem Morgen rollen innerhalb weniger Minuten mehr als fünf Autos in den Kreuzungsbereich und halten nicht rechtzeitig an der Linie. Von Kattes Fazit: „Meine Tochter ist schon 14 und sicher auf dem Rad, aber Fünftklässler würde ich dort nicht fahren lassen, die können solche unübersichtlichen Situationen gar nicht einschätzen.“ Dazu sagt eine Polizeisprecherin: „An der Kreuzung gab es zuletzt im Februar 2019 einen gemeldeten Unfall mit leicht Verletzten.“ Also vor Öffnung der Fahrradstraßen; zwei Radfahrer waren damals zusammengestoßen. Insgesamt funktioniere die Fahrradstraße gut, habe der Büdericher Bezirksbeamte berichtet, der für die Schulwegsicherung zuständig ist und den Bereich rund um die Fahrradstraße während seiner Streife regelmäßig kontrolliert. „Es herrscht gegenseitige Rücksichtnahme, Auffälligkeiten gibt es nicht.“

Was an diesem Morgen allerdings auffällt: Die meisten Radfahrer Richtung Niederdonker Straße benutzen die Fahrradstraße, nur wenige fahren weiterhin auf dem ehemaligen kombinierten Geh-/Radweg. In Richtung Düsseldorfer Straße sieht das aber ganz anders aus. Fast alle Radfahrer benutzen weiterhin die rot markierten Streifen, die nun eigentlich Gehweg sind. Darauf angesprochen sagen sie: „Ich dachte, ich darf den Radweg weiter benutzen – auf der Straße ist es mir zu voll.“