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Senioren-Sicherheit: Konzept lebt von Mundpropaganda

Senioren-Sicherheit: Konzept lebt von Mundpropaganda

Die ehrenamtlichen Teilnehmer des Aktionsbündnisses Senioren Sicherheit warnen ältere Menschen vor Betrügern.

Meerbusch. Es klingelt bei einer älteren Dame. Er sei ein Mitarbeiter der städtischen Wasserwerke, sagt der Mann vor der Tür. Die Rohre des Hauses müssten überprüft werden, erklärt er und präsentiert einen Lichtbildausweis. Die Seniorin führt ihn ins Badezimmer. Er sei durstig, ob er ein Glas Wasser bekommen könnte, fragt der Mann. Doch kaum kommt die Bewohnerin zurück, hat sich der Unbekannte aus dem Staub gemacht — inklusive des gesamten Bargeldes, das die Frau in ihrer Wohnung aufbewahrt hatte.

Trickbetrüger werden immer einfallsreicher. So ähnlich wie geschildert ist es vor zwei Wochen einer 75-jährigen Frau ergangen. Da vor allem ältere Menschen Ziel dieser Trickbetrüger sind, hat sich in Meerbusch wie im gesamten Kreisgebiet vor einem halben Jahr das Aktionsbündnis Senioren Sicherheit (ASS) gegründet. Es ist eine gemeinsame Initiative der Städte und der Kreispolizei.

20 ehrenamtliche Freiwillige, die im Umgang mit Trickbetrügern geschult wurden, haben die Aufgabe übernommen, Aufklärungsarbeiten durchzuführen. Aber das sei schwerer als gedacht, erzählt Peter Jung, Seniorenpartner in Nierst: „Die meisten Senioren fühlen sich eigentlich sehr sicher zu Hause. Die Möglichkeit, dass ein Trickbetrüger auch vor ihrer Haustür stehen könnte, halten sie für unwahrscheinlich. Darum ist es so schwer, sie zu erreichen.“

Jung, selbst bereits 70 Jahre alt, versucht, die potenziellen Opfer über Aushänge und im Rahmen von Seniorennachmittagen zu informieren. „Wir müssen auf die Menschen zugehen, um sie aufmerksam zu machen.“

Gauner haben sich mittlerweile eine Reihe gängiger Tricks angeeignet, Senioren zu überlisten: den Enkeltrick, die Vorgabe, ein Bankangestellter oder Handwerker zu sein, sowie die Bitte um ein Glas Wasser.

„Unser Konzept der Seniorenpartner beruht auf Nachbarschaftsarbeit und Mundpropaganda. Peter Jung beispielsweise ist sehr beliebt in seinem Dorf und kann daher dort viel bewirken“, sagt Wolfgang Titze, Leiter der Meerbuscher Polizeiwache. „Auch die Mitarbeiter in Banken haben eine spezielle Einweisung erhalten. Sie sollen wachsam sein, wenn Senioren größere Beträge abheben. Wir konnten bei solchen Fällen schon verhindern, dass Geld für angebliche Enkel abgeholt wurde.“

Auch die Scheu vor der Notrufnummer 110 der Polizei sei groß: „Viele denken, wenn sie jemanden um ihr Haus schleichen sehen, sei das noch lange kein Grund, den Notruf zu wählen. Aber genau dafür ist die 110 gedacht. Auch die Befürchtung, man müsse bei einem Polizeieinsatz Geld bezahlen, ist unbegründet“, so Titze.