Projekt von OBV und Rotary im Meerbad : Integrativer Schwimmkurs erfolgreich

Möglich machten den Kurs im Meerbad der OBV Meerbusch und die Rotarier.

Aufgeregt wartenzehn Kinder zwischen zehn und 14 Jahren im Foyer des Meerbades in Büderich. Heute ist der letzte Tag ihres zweiwöchigen Schwimmkurses, und bei der Hitze können sie es kaum erwarten, endlich in das kühle Nass einzutauchen. Selbstverständlich ist das für die meisten Jungen und Mädchen nicht. Einige der Kinder sind über das Meer aus Krisenregionen geflüchtet und mussten während der Überfahrt traumatische Erlebnisse durchleben, erzählt Elisabeth Funke, die die pädagogische Leitung beim OBV Meerbusch hat. „Ich habe selbstgemalte Bilder von Kindern gesehen, auf denen ertrinkende Menschen zu sehen sind“, erzählt sie.

Da ist es verständlich, dass auch der sichere Kontakt mit dem Wasser im Schwimmbad für einige eine große Überwindung bedeutet. „Wir haben hier einen Jungen dabei, der macht den Kurs schon zum dritten Mal. Im ersten Jahr hatte er so viel Angst, dass er gar nicht ins Wasser wollte“, sagt Funke. Mittlerweile planscht er zusammen mit den anderen.

Großen Anteil daran hat Schwimmlehrerin Gabriela Antony. Seit mehr als 35 Jahren nimmt sie Kindern die Angst vor dem Wasser und macht sie zu sicheren Schwimmern. Nicht nur Flüchtlingskinder nehmen an dem Kurs teil. Auch Schüler, die bisher noch keine Gelegenheit hatten, schwimmen zu lernen, sind dabei. Das war dem OBV und dem Rotary–Club Meerbusch Büderich, der die Kosten für die Aktion übernommen hat, wichtig, um die Integration zu fördern. Dazu komme noch die erschreckende Tatsache, dass immer weniger Menschen schwimmen können, so Frank Altenberg vom Rotary Club. Da sei es sinnvoll, schon früh dagegen anzugehen.

Auch Nicht-Flüchtlingskinder nahmen am Kurs teil

„Ich fände es schön, wenn wir dieses Angebot noch ausweiten könnten“, sagt er. Die Teilnehmer des diesjährigen Kurses sind älter als in den letzten beiden Jahren. Funke: „Wir haben festgestellt, dass es gerade für ältere Kinder wichtig ist, in der Schule nicht aufzufallen, weil sie nicht schwimmen können.“

Für Elisabeth Funke geht es aber eigentlich gar nicht darum, dass die Teilnehmer direkt schwimmen lernen. „Unser Ziel ist es, dass sich die Kinder an das Wasser gewöhnen und positive Erfahrungen machen. Dann können sie angstfrei am Schwimmunterricht in der Schule teilnehmen.“ Und das scheint allen Beteiligten gelungen zu sein. Wild toben die Kinder durch das Wasser, einige springen sogar vom Drei-Meter-Brett. „Ich kann das gar nicht glauben, das ist toll“, freut sich Fida Soubaiti, Integrations- und Flüchtlingsbeauftragte des OBV.

Anfangs standen einige Eltern dem Schwimmkurs skeptisch gegenüber. Wer wird den Kurs machen? Wer begleitet die Kinder? Was werden sie anziehen?. Soubaiti konnte die Eltern beruhigen. Für die Mädchen besorgte sie Nylonanzüge. Im ersten Jahr holte sie die Kinder persönlich von zu Hause ab. Jetzt kommen sie alleine mit dem Fahrrad.

„Wir sind vorher noch nie geschwommen, wollen aber auf jeden Fall weitermachen. Das ist lustig, und die Lehrerin ist gut“, finden Nayab und Elisha. Am Ende des Kurses nehmen einige der Kinder sogar das Seepferdchen-Abzeichen mit nach Hause. Der ehemalige Nichtschwimmer Bilal hat sich sogar Bronze erarbeitet. „Die Medaille war mir egal. Ich wollte nur Schwimmen lernen“, sagt er. Stolz ist er trotzdem; jetzt möchte er auch Silber erlangen.