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Schulleiter Alfons Schmitt: „In Schlafpausen kommen die Bilder“

Schulleiter Alfons Schmitt: „In Schlafpausen kommen die Bilder“

Der ehemalige Schulleiter Alfons Schmitt hat „Erinnerungsspuren“ veröffentlicht.

Strümp. „Wen interessiert schon, was ich erlebt habe?“, fragte Alfons Schmitt, wenn ihn Freunde nach geselligen Treffen aufforderten, seine Erinnerungen doch aufzuschreiben. Dass er es schließlich tat, hat auch mit seinen Enkeln zu tun: Sie brauchten den Großvater als Zeitzeugen für ein Schulprojekt über die Nazizeit. Das war der Anstoß, den der ehemalige Schulleiter benötigt hatte.

Was Schmitt erlebt hat, hat er als Robert Sandner in acht „Erinnerungspuren“ festgehalten. Das Pseudonym ist schon wenige Tage nach dem Erscheinen des Buchs enträtselt. Ähnlich geht es geschichts- und ortskundigen Lesern: Auf den 234 Seiten ist mancher wiederzuerkennen, dem Schmitt in der Volksschule Strümp oder in der Hauptschule in Osterath, in der Kommunalpolitik, bei der kirchlichen Jugend, der DJK Siegfried Osterath, beim VfL Strümp oder den Blauen Husaren begegnet ist.

Schmitt beschreibt den Kriegsalltag, den Kohlenklau, den sogar die Mutter angesichts eisiger Kälte nicht missbilligte, seinen Berufsweg als Pädagogen und sein Engagement in Vereinen. Er spart nicht mit Kritik, wenn er die kommunale Neugliederung („Das war ein wüstes Durcheinander“) oder die Experimente im Schulsystem betrachtet. „Ich habe es so geschrieben, wie ich mich erinnere“, sagt der 77-Jährige. „Chronologie ist nicht garantiert.“

Seine Frau, die früher die Artikel in Form brachte, die der Freizeit-Reporter Schmitt aus Zeitersparnis in der Dunkelkammer auf Tonband gesprochen hatte, hat den geborenen Linner auch jetzt unterstützt. „Sie ist meine erste Hörerin“, erzählt Schmitt von seinen privaten Lesestunden. Erst nach ihrer Kritik erfasste er das Handschriftliche. Direkt am Computer („Ich nutze ihn wie eine Schreibmaschine“) zu arbeiten, ist für Schmitt unvorstellbar: „Ich verliere dann meine Gedanken, weil ich mich so auf die Technik konzentriere.“ Eineinhalb Jahre hat er an dem Buch gearbeitet. „Vieles ist in nächtlichen Schlafpausen entstanden, dann kommen Formulierungen und Bilder.“

Schlafpausen wird er auch künftig haben: Alfons Schmitt arbeitet an einem Roman.

“ Robert Sandner: Erinnerungsspuren; BoD Norderstedt, 2012; 17,80 Euro, erhältlich in den Meerbuscher Buchhandlungen