Schule in Tansania: Ende des Jahres soll erste Klasse unterrichtet werden

Schule in Tansania: Ende des Jahres soll erste Klasse unterrichtet werden

Mit Spenden auch aus Meerbusch finanziert die Osteratherin Ruth Göbel einen Schulbau in Tansania.

Meerbusch. Eile mit Weile. Dieses alte deutsche Sprichwort beschreibt den Alltag in Tansania sehr viel mehr als es den unsrigen heute ausmacht, der von Effizienz und Hektik geprägt ist. Diese nicht überraschende Erfahrung macht die Osteratherin Ruth Göbel, die sich seit vier Jahren für den Bau einer Oberschule in Mulala stark macht. In Meerbusch und bundesweit sammelt sie Spenden, bringt das Geld persönlich nach Afrika und überzeugt sich, dass es bestimmungsgemäß verwendet wird.

Foto: privat

Zwei Schulgebäude sind mittlerweile fertig gemauert. „Ein Grund für die lange Bauzeit liegt darin, dass ich immer nur ein paar tausend Euro pro Jahr zusammen bekomme“, sagt Göbel, die gerade wieder mit frischen Eindrücken zurück in Meerbusch ist. „Zudem macht die Inflation auch vor Tansania nicht halt. Die Holz-, Zement- und Metallpreise sind gestiegen.“

Dennoch: Nachdem der Rohbau für zwei der drei geplanten Gebäude 2012 fertiggestellt werden konnte, wurden im vergangenen Jahr die Dachstühle montiert und mit Wellblech eingedeckt, die Wände verputzt sowie Fenster und Türen eingebaut. „Das sieht jetzt schon richtig gut aus, für afrikanische Verhältnisse“, sagt Göbel.

In diesem Jahr sollen nun zwei Außentreppen und je eine Terrasse an der Vorderfront gegossen werden. „Die Fenstergrills und Türen benötigen Fensterglas, und das Material ist wohl nicht ganz preiswert zu beschaffen“, ergänzt sie. Auch der Innenausbau mit Gipswand, Grundierung und Farbanstrich sei eine für tansanische Verhältnisse teure Angelegenheit.

Umrisse für die Tafelmontage sind schon im Putz markiert, Ende dieses Jahres soll die Schule eröffnet werden. Der Unterrichtsbetrieb soll einzügig aufgenommen werden. Die Regierung werde den Betrieb der Schule mit zunächst vier bis fünf Lehrkräften organisieren und finanzieren, berichtet Göbel. Der Weiterbau solle parallel erfolgen, „moja kwa moja“, ein Schritt nach dem anderen.

„Ich habe mich bei meinen Gastgeberinnen von der Women Agape Group um Mama Anna Pallangyo wieder wohlgefühlt“, sagt die Osteratherin lächelnd. Die Kinder des Dorfs hätten bereits sehnsüchtig darauf gewartet, dass Göbel mit ihnen Radschlag und Handstand übte oder Huckepack-Rennen veranstaltete. „Selbst die Frauen amüsierten sich köstlich, als die Kinder und ich pantomimisch Tiere darstellten, Löwe, Giraffe, Chamäleon, Ziege“, erzählt Ruth Göbel.

Heiß war es unter der afrikanischen Sonne, obwohl Mulala auf 1400 Meter Höhe liegt. Zum Frühstück wurde für die Deutsche keine Extrawurst gebraten. Es gab Ziegenmilchtee mit grünen Gräsern, selbst geröstete Erdnüsse, ausgebackene Kochbananen, manchmal Chapatis. Auf Eier musste man verzichten: Ein Feuer, das durch Funkenflug von der Kochstelle entstanden war, hatte den Hühnerstall, Bananenstauden und den Avocadobaum verbrannt.

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