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Rosti wechselt für 1530 Euro den Besitzer

Rosti wechselt für 1530 Euro den Besitzer

Anette Hammann ersteigerte Meerbuschs berühmtestes Auto. Nun soll Rosti im hessischen Bad Nauheim durch die Straßen fahren.

Monatelang stand Rosti, Meerbuschs berühmtestes „Schrottauto“, scheinbar verwahrlost am Straßenrand. Jetzt hat der im sogenannten Rat-Style dekorierte Opel Corsa, Baujahr 1998, in Anette Hammann aus dem hessischen Bad Nauheim eine neue fürsorgliche Besitzerin gefunden. Ihr Ehemann, selbst Autoliebhaber, hat das Auto im Internet entdeckt und für 1530 Euro für seine Frau ersteigert.

Anette Hammann, Rostis neue Besitzerin

Hammann, die fotografisch und künstlerisch tätig ist, will Rosti auch in Zukunft eine Bühne bieten. „Für mich ist dieser Wagen Ausdruck von Mut, Lebensfreude, Spontaneität und Unkonventionalität“, sagt die Käuferin. „Attribute also, die heute nur zu oft vernachlässigt werden — allgemein und im Straßenbild besonders.“ Rosti sei ein Beweis dafür, dass es Freude machen kann, auch mal auf Konventionen zu pfeifen und dabei niemandem weh zu tun, fügt Hamman hinzu.

Der umgebaute Corsa — der auch im Mittelpunkt eines Beitrags für Stern-TV bei RTL stand — wartet neben einer Rost-Optik mit ungewöhnlichen Accessoires auf. So wurden seine Stoßfänger und Außenspiegel mit Jutesäcken verkleidet und der Dachgepäckträger mit allerlei atypischen Gegeständen beladen. Neben der großen Mülltonne samt Ventilator finden sich dort auch Benzinkanister, Gießkanne, Besen und Mistgabel. Wo immer Rosti seine Aufwartung macht, sind ihm die Blicke der umliegenden Verkehrsteilnehmer sicher. Voraussetzung ist hierbei aber immer die Verkehrstüchtigkeit und eine ordentliche Zulassung des Fahrzeugs.

Rostis neue Besitzerin, die das Fahrzeug bereits erfolgreich überführt hat, begeistert vor allem die Entstehungsgeschichte des Autos und die Intention seines Erschaffers. Unternehmer Denis Oware war nach eigener Aussage auf der Suche nach Investoren für sein Startup. Mit Rosti wollte er die Aufmerksamkeit der Meerbuscher auf sich ziehen.

Das skurril anmutende Gefährt hat dabei im Laufe des Jahres schon so manche Station absolviert. Zunächst stand es einige Zeit in der Nähe der Hildegundisallee, bis eine Anwohnerin 500 Euro für seine Verlegung und eine Unterlassungserklärung bezahlte. Der Nächste Zwischenstopp war die Moerser Straße auf Höhe des „Champagner-Büdchens“. Dort wurde das „Schrottauto“ zwischenzeitlich von Unbekannten mit Hakenkreuzen beschmiert, so dass der Staatsschutz ermittelte. Zu guter Letzt erlangte Rosti immer wieder die Aufmerksamkeit der Polizei, die das Fahrzeug wegen seines baufälligen Aussehens wohl nur zu gerne kontrollierte. Oware selbst gibt auf der Auktionsseite an, dass seine Freundin ihn mit der Abmeldung seines Spaß-Autos überrumpelt habe.

Die Auktion rief aber nicht nur interessierte Käufer auf den Plan, auch begeisterte Meerbuscher meldeten sich zu Wort, die der Ansicht waren, Rosti gehöre mittlerweile zu den Attraktionen der Stadt und müsse bewahrt werden.

Anette Hammann möchte das „Schrottauto“ künftig verleihen, Rosti für Veranstaltungen anbieten oder auch Automuseen zur Verfügung stellen. „Vielleicht parkt er aber auch einmal vor ,teuren’ Geschäften und setzt einen Kontrapunkt zum schwarzen BMW, dem silbernen Audi oder dem dunkelblauen Mercedes“, sagt die Käuferin. „Einfach als Symbol, dass Lebensfreude mit dem Auto auch auf andere Weise funktioniert.“