Rock am Turm: Zukunft ist ungewiss

Rock am Turm: Zukunft ist ungewiss

Auflösung des Vereins, die Ziele überdenken und neue Aktivitäten ins Auge fassen — alles ist möglich.

Meerbusch. Fünf Köpfe, fünf Meinungen — das ist der Stand der Dinge auch nach der Vorstandssitzung des Vereins Rock am Turm am Montagabend. Das Krisentreffen fand zu einem Zeitpunkt statt, zu dem ursprünglich fünf ausgewählte Nachwuchsbands im Wasserturm rocken sollten.

Die Absage des Konzerts wegen des schleppenden Kartenvorverkaufs und einer Drohung im Internet, das Konzert als Plattform für Randale zu nutzen, hatte heftige Diskussionen ausgelöst — innerhalb und außerhalb des Vereins. Möglichen Schlägern die Stirn bieten oder besonnen absagen — das waren die konträren Positionen im Vorstand.

Für den Vorsitzenden Christian Olejnik war der Montagabend zwar spannungsgeladen, „aber über die Auflösung des Vereins haben wir nicht gesprochen“. Vielmehr sei es in der fünfköpfigen Runde darum gegangen, die sehr unterschiedlichen Positionen auszutauschen. „Jedem wird seine Meinung zugestanden, und die sind halt sehr unterschiedlich.“ Christian Olejniks Anliegen und Hoffnung ist unmissverständlich: „Ich schätze alle Beteiligten sehr und will den Konflikt intern lösen.“ Auch wenn es am Montag noch nicht Thema war: Wölli Rohdes offen formulierte Forderung nach einer Auflösung des Vereins werde ernst genommen.

Im neuen Jahr will sich das Quintett erneut zusammensetzen — „mit Ruhe und Sachlichkeit“ — und Perspektiven ausloten. „Der geringe Kartenabsatz war ja kein vorgeschobener Grund für die Absage des Konzerts“, betont Olejnik. „Rund 100 Karten zu verkaufen, ist nicht im Sinne des Erfinders.“

Der Verein Rock am Turm, 2001 gegründet, müsse zur Kenntnis nehmen, dass sich die Zeiten geändert hätten. „Also muss sich auch Rock am Turm ändern.“ Ob man sich auflöse, eine neue Zielsetzung definiere oder andere Aktivitäten starte — das sei alles noch völlig offen.

„Ich bin von unserem Konzept, Nachwuchsbands eine Chance zu geben, unter professionellen Bedingungen auf einer großen Bühne zu spielen, immer noch überzeugt“, sagt Christian Olejnik. „Das Modell ist gut.“ Auch die geplante Rückkehr des Konzerts in den heimischen Wasserturm — nach einem längeren Ausflug ins gewaltige Kesselhaus — betrachtet er nicht als Fehler. „Aber man muss akzeptieren, dass dies alles für das Publikum im Moment anscheinend nicht attraktiv genug ist.“

Der Reiz, mit Rock am Turm am „dritten Weihnachtstag“ Party zu machen und im Vertrauen auf die Organisatoren womöglich nicht einmal zu wissen, wer auf der Bühne spiele, sei zumindest in diesem Jahr verflogen.

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