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Protest gegen Konverter: Meerbusch auf den Barrikaden

Protest gegen Konverter: Meerbusch auf den Barrikaden

Der geplante Konverter versetzt die Anwohner in Zorn. Der Netzbetreiber hat den Widerstand völlig unterschätzt.

Meerbusch. „14 Fußballfelder groß ist die Fläche für die Anlage — das ist so weit, wie sie hier gucken können“, sagt Astrid Linn und deutet über ein Feld. Der geplante Großkonverter für eine Gleichstrom-Höchstspannungsleitung hat die Anwohnerin aus Meerbusch-Osterath auf die Barrikaden getrieben — und mit ihr große Teile der Stadt.

Eines der wichtigsten Leitungsprojekte der deutschen Energiewende, die Stromautobahn im Westen von Emden bis Philippsburg in Baden-Württemberg, spürt damit an einer empfindlichen Stelle den Gegenwind des Bürgerzorns.

Nur einige hundert Meter neben dem potenziellen Standort wohnen Osterather in Einfamilienhäusern. „Kein Konverter“-Plakate hängen hier fast an jedem Haus. „So nah an die Wohnbebauung gehört keine Industrieanlage“, sagt der Meerbuscher Bürgermeister Dieter Spindler (CDU). „Wenn ich hier ein Gewerbegebiet beantragt hätte, hätte mich die Bezirksregierung für verrückt erklärt.“

Drei große neue Stromautobahnen in Nord-Süd-Richtung sieht der Netzentwicklungsplan vor, der vor der Verabschiedung im Bundestag steht. Die Westleitung dürfte derzeit wohl die wichtigste sein. Sie soll nicht nur die künftigen Windstromparks in der Nordsee mit dem stromarmen Süden verbinden.

Durch die Leitungen soll auch Kohlestrom aus dem Rheinischen Braunkohlerevier nach Süden fließen — bis die Erneuerbaren und die bundesweiten Netze so weit sind, aus eigener Kraft eine sichere Versorgung Süddeutschlands zu garantieren. Deshalb ist ein Anschlusspunkt in NRW nötig.

Die Leitung müsse unbedingt pünktlich fertig werde. Sonst drohten in Baden-Württemberg Versorgungsprobleme, wenn Ende 2019 das Kernkraftwerk Philippsburg plangemäß vom Netz geht, sagt Marian Rappl, der Sprecher des Netzbetreibers Amprion, der die Anlage bauen will.

Meerbusch-Osterath ist seit fast 100 Jahren ein Knotenpunkt im Stromnetz und hat bereits ein Umspannwerk. Deshalb war der Blick der Planer für einen „Netzverknüpfungspunkt“ auf die 55 000-Einwohner-Stadt gefallen.

Den Protest hat Amprion aber völlig unterschätzt. Von den bundesweit 3300 Bürgereinwendungen gegen den Strom-Netzplan kamen 2300 aus Osterath. „Einen so massiven Widerstand haben wir noch bei keinem Leitungsprojekt erlebt“, sagt Rappl.

Mit der Umwandlung in Gleichstrom wollen die Techniker Transportverluste auf der langen Strecke verringern. Doch der Prozess ist aufwendig. Amprion rechnet mit einem 100 000 Quadratmeter großen Gelände und einer 20 000 Quadratmeter großen Industriehalle. Strahlungsfragen seien bei der Kapazität von zwei Gigawatt — so viel wie zwei große Atomkraftwerke — genauso ungeklärt wie die Sicherheit gegen Unfälle, Brände oder Anschläge, sagen Kritiker.

Trotz offener Fragen habe Amprion Proteste mit der Bemerkung weggewischt, die Anlage sei „alternativlos“. Inzwischen spricht Amprion nicht mehr von Alternativlosigkeit. Osterath sei zwar technisch am geeignetsten, stehe aber als Standort keineswegs fest, heißt es nun. Doch in diesem Punkt glaubt die Bürgerinitiative Amprion kein Wort. Bürgermeister Spindler: „Der ganze Standort muss weg — die Akzeptanz für den Konverter ist in Meerbusch gleich Null.“