„Situation ist nicht tragbar“ Meerbuscher Landwirte protestieren gegen Subventions-Aus

Meerbusch · Dass die Subventionen auf Diesel fallen sollen, lässt auch jüngere Bauern um ihre Existenz fürchten.

Mit ihren Traktoren haben die Meerbuscher Landwirte auf ihre Situation aufmerksam gemacht.

Mit ihren Traktoren haben die Meerbuscher Landwirte auf ihre Situation aufmerksam gemacht.

Foto: RP/Rainer Roos

(dsch) Am Mittwochabend haben in Meerbusch rund 15 Landwirte mit ihren Traktoren ein Zeichen gesetzt, um auf ihre kritische Lage aufmerksam zu machen. Die Bauern positionierten sich auf drei Autobahnbrücken und schalteten ihre Gelblichter ein, achteten aber darauf, den Verkehr nicht zu behindern oder zu gefährden.

„Für uns Landwirte ist das Fass nicht voll, es ist längst explodiert“, sagt Rainer Roos, einer der Teilnehmer. Die Idee dazu, sich den in den vergangenen Tagen bundesweit stattfindenden Protesten anzuschließen, sei den Meerbuscher Bauern spontan gekommen. „Die Situation ist nicht mehr tragbar“, so Roos.

Wegfallende Subvention bedeutet 20 000 Euro Mehrkosten pro Jahr

Die Bundesregierung plant derzeit, Subventionen für die Landwirtschaft zu streichen, um im Haushalt Geld einzusparen. Es geht unter anderem um eine Erstattung bei der Steuer auf Diesel, der für die Feldmaschinen gebraucht wird. „Diese Pläne würden für meinen Betrieb jährliche Mehrkosten von bis zu 20 000 Euro bedeuten“, so Bauer Roos – und das zu einer Zeit, in der die Landwirte mit massiv gestiegenen Preisen bei Energie und Lohn zu kämpfen haben. „Diese Verteuerung kann ich nicht an die Kundschaft weitergeben, sonst kaufen sie gar keine heimischen Produkte mehr“, so der Landwirt, der in Langst-Kierst gemeinsam mit seiner Familie auch einen Hofladen betreibt. Die Konkurrenz mit Ländern, in denen Arbeitskräfte günstiger und billigere Kraftstoffe, wie Heizöl für die Fahrzeuge zugelassen sind, bringe die heimischen Landwirte an den Rand der Existenz. „Hier könnten Einfuhrzölle die ausländische Ware teurer machen und so für ein Gleichgewicht sorgen“, regt Roos an.

Bei den Protesten in Meerbusch waren auch viele jüngere Landwirte dabei, die um ihre Zukunft fürchten. Alex, der Sohn von Rainer Roos, hat selbst Agrarwissenschaften studiert und immer geplant, den väterlichen Hof zu übernehmen. „Inzwischen zweifelt er aber daran, weil die Grundbedingungen, um von der Landwirtschaft zu leben, nicht mehr da sind“, berichtet Roos. Diese Entwicklung, da ist sich der Meerbuscher Bauer sicher, gefährdet langfristig die Existenz der Höfe in Deutschland, damit die heimische Lebensmittelversorgung. „Wir müssen dann alles importieren – und wenn anderswo die Lebensmittel knapp werden sollten, haben wir ein großes Problem“, sagt Roos. Dazu komme die Wertschöpfung durch die Landwirtschaft vor Ort, die Betriebe gehören etwa zu den guten Kunden vieler Handwerker. „In Summe können wir die gestiegenen Kosten nicht mehr stemmen. Wir legen schon seit Jahren Geld bei der Produktion dazu“, so Roos. Bereits jetzt sinkt die Zahl der Höfe, auch in Meerbusch – der Landwirt befürchtet, dass es irgendwann nur noch einen sehr großen Betrieb geben könnte, der sich hauptsächlich über Nebeneinkünfte finanziert. „Seit vier oder fünf Jahren fährt die Politik die Landwirtschaft vor die Wand“, warnt Roos.

Deswegen soll die Aktion der Bauern auch kein einmaliges Ereignis bleiben. „Wir planen derzeit, Anhänger mit Plakaten aufzustellen und so auf unsere Situation aufmerksam zu machen“, kündigt Rainer Roos an. Außerdem wollen sich die Meerbuscher Landwirte mit einer lokalen Aktion an der bundesweit geplanten Protestkampagne am 8. Januar beteiligen.

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