Landwirtschaft in Meerbusch : Landwirte haben Zukunftsangst
Die Meerbuscher Markus Frenken und Heinz-Peter Kreuels berichten über die Probleme der heimischen Landwirtschaft, Globalisierung und Höfesterben.
Markus Frenken und Heinz-Peter Kreuels lieben ihren Beruf. „Die Passion für die Landwirtschaft ist auf jeden Fall da“, betonen sie. Beide sind in das regionale Umfeld Meerbuschs eng eingebunden, tragen die Gesellschaft mit, leiden aber darunter, dass ihr Berufsstand weiter schrumpft und die Akzeptanz der Landwirtschaft von den Verbrauchern weiter nachlasse.
Trotz dieser Gemeinsamkeiten verläuft ihr beruflicher Alltag komplett unterschiedlich. Markus Frenken ist mit seiner Frau Renate vom sehr frühen Morgen bis zum späten Abend und auch am Wochenende in die Abläufe des familiengeführten Frenkenhofs eingebunden. „Oft sind wir 18 Stunden beschäftigt, Freizeit bleibt kaum.“ Neben Anbau und Vermarktung von mehreren Gemüsesorten für den Großhandel und den eigenen Hofladen richtet Renate Frenken Kindergeburtstage aus: „Wir suchen nach Alternativen, einem zweiten Standbein. Denn von der Landwirtschaft allein ist es schwer, den Hof zu erhalten.“ Frenken belasten dazu solche Erlebnisse: Neulich wurde er im Traktor angehalten, weil er „Gift durch die Gegend“ fahre. „Ich hatte 3000 Liter Wasser plus ein Liter biologisches Pflanzenschutzmittel in der Spritze und musste mich rechtfertigen.“ Für Frenkens 16- und 18-jährige Söhne steht angesichts der unsicheren Zukunft der Landwirtschaft zurzeit noch nicht fest, ob sie in die Fußstapfen ihres Vaters treten.
Bei Heinz-Peter Kreuels sieht das anders aus. Dem Ortsvertrauenslandwirt für die Gemeinde Osterath – Markus Frenken ist sein Vertreter – war bereits 1978 klar, dass er als junger Landwirt den wirtschaftlichen Druck verlagern muss: „Ich bin seit 41 Jahren in der Industrie tätig und disponiere den Rohstoff Kartoffel für die Chipsherstellung.“ Wenn Kreuels nach 18 Uhr aus dem Büro kommt, beginnt seine zweite Schicht. Meist ist er bis 21Uhr auf dem Hof beschäftigt: „Ich brauche ein Ventil als Ausgleich zur Büroarbeit. Wenn ich mich auf den Trecker setze, ist der Druck weg.“ So erleben seine 17-jährigen Zwillinge dessen eigentlichen Beruf als Hobby: „Meine Söhne sind mit dem Virus Landwirtschaft infiziert.“ Darüber ist er angesichts des Höfe-Sterbens und der seiner Meinung nach in den Medien schlecht dargestellten Landwirtschaft nicht nur glücklich.