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Polizeiaktion mit Grundschülern aus Meerbusch

Serie Sicherheit und Kriminalität : Polizei rüstet Schüler mit Tornisterhüllen aus

Schulleiterin Anja Drenkelfort fordert vergeblich Tempo 30 auf der Kaiserswerther Straße. Nun hat die Polizei Drittklässler mit reflektierenden Tornisterhüllen ausgestattet.

Maxi fährt täglich mit dem Bus aus Langst-Kierst zu ihrer Schule in Lank. Dort geht die Achtjährige in die dritte Klasse der Theodor-Fliedner-Schule. „Morgens im Dunkeln ist das doof, weil die Laternen auf dem Weg zur Haltestelle manchmal nicht an sind.“ Deshalb freut sich das Mädchen über den leuchtenden Tornister-Überzieher, den die Polizei nun an die Schüler der 3 a verteilt hat.

„Glühwürmchen“ heißt die Aktion, die unter dem Motto „Sicherheit durch Sichtbarkeit“ steht. „Denn gerade die jüngsten und kleinsten Verkehrsteilnehmer werden in der dunklen Jahreszeit oft von Kraftfahrern übersehen“, sagt Verkehrssicherheitsberater Polizeihauptkommissar Ralf Kamphausen, der an diesem Morgen gemeinsam mit den Kindern ein Stück des Schulwegs geht. „Wir machen solche Aktionen meist unmittelbar nach den Ferien, um die Autofahrer wieder zu sensibilisieren.“

Dem Polizisten liegt die Sicherheit der Kinder am Herzen. Bereits in Kitas veranstaltet er Gehwegtrainings, in den vierten Klassen macht er die Radfahrausbildung, und in den weiterführenden Schulen bietet er die sogenannten Crash-Kurse an. Nun hofft er, dass nach und nach so viele Meerbuscher Kinder wie möglich mit Leuchtmaterial ausgestattet werden können. Kamphausen: „Immerhin haben wir allein in Lank-Latum an den beiden Grundschulen etwa 240 Erst- und Zweitklässler.“

 Mit den leuchtenden Tornister-Überzieher sind die Grundchüler jetzt gut zu sehen.
Mit den leuchtenden Tornister-Überzieher sind die Grundchüler jetzt gut zu sehen. Foto: Ralf Kamphausen

Polizist kontrolliert
mehrmals die Woche vor Ort

Als Verkehrssicherheitsberater kennt er natürlich das Problem mit den Elterntaxis. „Die gibt es auch hier“, bestätigt Kamphausen. „Aber an dieser Grundschule ist die Lage noch relativ entspannt, weil die Straßensituation hier eine andere ist und es in unmittelbarer Nähe einen großen Parkplatz gibt.“ Auch Dominik wird regelmäßig von seinem Vater zur Schule gefahren. Der Drittklässler berichtet: „Aber Papa achtet immer darauf, dass er vorsichtig fährt.“ Und jetzt, wo der Achtjährige seine Leuchthülle bekommen hat, will er sowieso öfter mal wieder zu Fuß zur Schule gehen.

Schulleiterin Anja Drenkelfort bestätigt: „Die meisten Eltern verhalten sich sehr einsichtig. Die Situation hat sich deutlich verbessert.“ Mittlerweile gebe es nur noch wenige Eltern, die ihr Kind mit dem Auto bis unmittelbar vors Schultor fahren. Das liege aber auch daran, dass Bernd Wolters, Bezirkspolizist für Lank und die Rheingemeinden, mehrmals in der Woche vor Ort kontrolliert. Die Schulleiterin und der Bezirksbeamte tauschen sich permanent aus über Möglichkeiten, den Schulweg und den Bereich rund um die Schule noch sicherer zu machen. „In den Ferien beispielsweise wurden im Wendehammer-Bereich der Straße Im Schieb die Poller neu aufgebaut“, sagt Wolters und zeigt auf die sogenannten Flex-Poller aus Kunststoff, die nachgeben, falls doch mal ein Fahrzeug dagegen fährt. Außerdem wurde die rote Farbe im Bereich der Einmündung Im Schieb/Kaiserswerther Straße neu aufgemalt. Drenkelfort: „Ich würde mir wünschen, dass auch noch Spiegel aufgestellt werden, weil dort viele Radfahrer unterwegs sind.“

Ihre dringlichste Forderung betrifft jedoch den Kurvenbereich auf der Kaiserswerther Straße zwischen der Bushaltestelle und dem Zebrastreifen am Friedhofseingang und darüber hinaus. „Da wäre Tempo 30 auf der ganzen Strecke sinnvoll“, sagt sie. Immerhin verlaufe dort der Schulweg, außerdem sei dort der Friedhof und ein Seniorenstift. Die Verantwortung dafür liegt jedoch nicht bei der Stadt, sondern beim Rhein-Kreis Neuss.

„Am 12. Oktober gab es deshalb eine Begehung“, erzählt die Schulleiterin. Außer ihr war Bezirkspolizist Wolters dabei sowie ein Verkehrsplaner der Kreispolizei und Vertreter der Stadt. „Den Termin zu bekommen, das ging wirklich sehr schnell“, berichtet Drenkelfort. „Ebenso das Aufstellen der Poller und die Markierung.“ Mit dem Ergebnis der Begehung ist sie im Gegensatz dazu aber gar nicht glücklich: „Tempo 30 sei hier nicht möglich, sagte man uns.“ Der Grund: Bislang sei in diesem Bereich kein Unfall passiert. „Ich verstehe aber einfach nicht, warum erst ein Unfall passieren muss?“, fragt die Schulleiterin. „Hier läuft täglich ein Pulk kleiner Kinder entlang. Und etwas später gilt sowieso Tempo 30. Warum dann nicht gleich auf der ganzen Strecke? Das würde doch niemandem weh tun.“

Ebenso wie Verkehrssicherheitsberater Ralf Kamphausen und Bezirkspolizist Bernd Wolters würden sie und ihre Kollegen den Schülern beibringen, im Straßenverkehr aufmerksam zu sein und aufzupassen. Drenkelfort: „Aber ich denke, dass es andersherum auch wichtig ist, dass die Autofahrer die Kinder im Blick haben. Dabei hilft ein Tempo-30-Schild auf jeden Fall.“

Ein Zugeständnis, das ihr gemacht wurde: In dem Bereich soll demnächst ein Gerät aufgestellt werden, das die Geschwindigkeit der Autos misst und auswertet. Außerdem soll es dort verstärkt Kontrollen geben. Und möglicherweise soll bereits vor der Haltestelle ein zusätzliches Schild aufgestellt werden, das auf die Schulkinder hinweist. Die Aktion „Glühwürmchen“ wird am Freitag, 13. November, mit Schülern der Pastor-Jacobs Schule in Lank-Latum wiederholt.