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Ostern in den Kirchengemeinden in Meerbusch

Gottesdienste in Meerbusch : Das planen die Kirchen zum Osterfest

Die Ministerpräsidenten raten von Präsenzgottesdiensten zu Ostern ab. In den Meerbuscher Kirchengemeinden wird derzeit diskutiert, wie man mit dieser Empfehlung umgeht.

Am Montag hat die Ministerkonferenz die Kirchen in Deutschland darum gebeten, zu Ostern auf Präsenzgottesdienste zu verzichten. Nicht nur die Vertreter der Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland zeigten sich davon überrascht, auch in Meerbusch hat die Bitte aus der Politik in den Gemeinden für Unsicherheit gesorgt.

In Osterath will man dem Wunsch aus Berlin wohl entsprechen, sagt die dortige evangelische Pfarrerin Birgit Schniewind. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Maria Pfirrmann hat sie sich am Dienstag beraten. „Wir gehen den Weg der Vorsicht“, so Schniewind mit einem Seufzer. Schade sei es um die schönen Aktionen, die sich die Gemeinde zur Feier des höchsten christlichsten Festes überlegt hatte. Am Gründonnerstag sollt eine Andacht am Lagerfeuer stattfinden, Gottesdienste sollten bei einem Spaziergang im Wald gefeiert werden.

„Das abzusagen fällt mir außerordentlich schwer, aber ich halte es nicht für klug, ein Risiko einzugehen“, so Schniewind. Die endgültige Entscheidung sei allerdings noch nicht getroffen. Dennoch: „Ich würde es auch als ungerecht empfinden, wenn wir als Gemeinde feiern dürften, Familien die Zusammenkunft aber verboten ist“, so die Pfarrerin. Wie schon zu Weihnachten will die Gemeinde Tüten an Familien und in Kitas in Osterath verteilen, in denen geistliche Impulse, Texte und Lieder für eine Andacht zuhause zu finden sind. Auch digitale Gottesdienste wird es geben. „Es wäre natürlich schöner, von Angesicht zu Angesicht zu feiern, aber dafür fehlen unserer kleinen Gemeinde schlicht die Räumlichkeiten, um das mit ausreichendem Abstand umzusetzen“, sagt Schniewind.

Unsicher, wie Ostern 2021 aussehen sollte, ist auch Karin Schwark, Pfarrerin der protestantischen Gemeinde Lank. Dort will man zunächst die Empfehlung der Landeskirche abwarten, bevor das Presbyterium eine Entscheidung trifft.

In der Vergangenheit hatten die Lanker an Präsenzgottesdiensten festgehalten, Schwark vertraut auf das Hygienekonzept, das neben den üblichen Regelungen auch den Verzicht auf Gesang sowie eine erhöhte Zahl von Gottesdiensten vorsieht, auf die die Besucher sich verteilen können. Wer trotzdem nicht dabei sein kann oder will, bekommt die Predigt nach Hause. Diese und andere Möglichkeiten würde die Gemeinde auch im Fall einer Absage nutzen.

Für Karin Schwark selbst kam die Bitte der Ministerpräsidenten überraschend. „Immerhin ist Ostern das Fest schlechthin, darauf zu verzichten ist ein großer Schritt.“ Sie selbst steckt gerade in den Vorbereitungen für die Gottesdienste, will diese jedoch aktuell gestalten. „Ich schwimme derzeit schon ein wenig“, gibt Schwark zu.

Sie würde gerne Ostern feiern – in welcher Form auch immer.„Im vergangenen Jahr haben wir vor dem Gotteshaus Musik gemacht. Kirche to go könnte auch diesmal ein Konzept sein. Aber eins ist klar: Ostern fällt nicht aus.“

Dieser Aussage schließt sich auch die Büdericher Pfarrerin Susanne Pundt-Forst an. Auch hier will das Presbyterium nach Mitteilung der Landeskirche entscheiden. Der Ostergottesdienst war im Freien geplant.

„Die Pläne müssen wir unter Umständen über den Haufen werfen“, so Pundt-Forst. Es gebe aber mehrere Alternativen, unter anderem Videogottesdienste. „Gerade Notlösungen sind ja manchmal etwas ganz besonderes – unsere Gemeinde wird vermutlich noch lange von dem Gottesdienst im Freien reden, als uns im Schnee die Bibel auf dem Altar fest gefroren ist“, erinnert sich die Büdericher Pfarrerin. Überrumpelt seien sie und die Organisatoren der Osterfeier nicht.

„Ich verstehe den Gedanken, der hinter der Aufforderung steht. Wie wir darauf reagieren, muss in den kommenden Tagen diskutiert werden. Eins aber ist für Susanne Pundt-Forst sicher: „Der Herr ist auferstanden, das feiern wir – und das kann auch ein Virus nicht ändern.“

Pfarrer Michael Berning von der katholischen Kirchengemeinde St. Mauritius und Heilig Geist ist empört über die Empfehlung der Politik. „Ich halte das für reinen Aktionismus der Regierung, die das Impfen und Testen bislang nicht in den Griff bekommen hat.“ Nun die Kirchen zu schließen, sei die falsche Reaktion.

Für ihn steht fest: „Wenn der Bischof die Ostergottesdienste nicht klipp und klar verbietet und wenn es irgendwie möglich ist, werden wir in Büderich Ostern feiern. Unsere umfassenden Hygienekonzepte haben bislang sehr gut gegriffen.“ Selbstverständlich werde auf sämtliche Zusammenkünfte nach den Gottesdiensten und auf Prozessionen verzichtet.

In der katholischen Gemeinde laufen daher die Anmeldungen für die Gottesdienste erstmal weiter. Berning: „Die Gläubigen rennen uns zwar nicht die Türen ein, weil sie extrem verunsichert und vorsichtig sind. Aber das Bedürfnis, Ostern gemeinsam in der Kirche zu feiern, ist da.“ Deshalb hofft der Pfarrer auch, dass die oberen Kirchenvertreter in den Gesprächen mit der Politik „mit Nachdruck verlangen werden, dass Gottesdienste stattfinden dürfen“.

Auch die Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde Hildegundis von Meer haben zum Osterfest mehrere Präsenzgottesdienste in den Kirchen St. Nikolaus in Osterath und St. Stephanus in Lank geplant. In diesen beiden Gotteshäusern lassen sich die umfangreichen Hygienekonzepte der Gemeinde umsetzen. „Wir haben eigens einen Hygieneausschuss unter Leitung eines Mediziners eingerichtet, der gemeinsam mit dem Kirchenvorstand entscheiden wird, ob und wie Ostern Gottesdienste gefeiert werden können“, sagt Sprecher Sven Otto. „Wenn es vom Bistum eine Weisung geben sollte, Präsenzgottesdienste zu unterlassen, haben sich sämtliche Diskussionen erledigt.“ Aber der Jurist rechnet damit, dass es bei einer Empfehlung bleiben und die Verantwortung in die Hände der Kirchengemeinden übertragen wird. „Ich persönlich neige dazu, in der aktuellen Situation keine Präsenzgottesdienste zu veranstalten und virtuelle Live-Formate anzubieten“, sagt Otto. „Das habe ich dem GdG-Vorstand auch so gesagt.“ Er selbst schlägt vor, Gottesdienste in kleiner Besetzung mit einem Geistlichen, einem Lektor und zwei Ministranten zu feiern und das live auszustrahlen. Otto: „Ich biete auch an, das selbst zu übernehmen.“ Die Live-Übertragung könne noch am ehesten ein Gemeinschaftsgefühl erzeugen, „und darauf kommt es in dieser schwierigen Zeit an“.