Nierster feiern die „Tour de Neesch“

Nierster feiern die „Tour de Neesch“

Sieben Stunden lang ziehen die Männer des 1400-Seelen-Dorfes von Haus zu Haus, um ihre Wagen zu zeigen — und um Bratwurst einzusammeln.

Die Nierster sind echte Konditionswunder. Nicht im Fußball, da spielen sie nur in der Kreisliga B, aber beim Rosenmontagszug zeigen sie ihr wahres Durchhaltevermögen. Sieben Stunden lang ziehen die Männer des 1400-Seelen-Dorfes von Haus zu Haus, um stolz ihre Wagen zu zeigen, die sie während der letzten drei Monate erbaut haben. Und um die Bratwurst einzusammeln, die sie dann am Abend gemeinsam mit der Dorfgemeinschaft in gemütlicher Runde in der Alten Schule verspeisen.

Foto: Ulli Dackweiler

Schon morgens um 9.15 Uhr startet der Zug der Karnevalsgesellschaft „Kött on Kleen“ zu seiner Tour unter dem Motto „Leinen los zur großen Fahrt — zum Karneval nach Seemannsart“. Dann setzen sich die elf Gruppen von der Dorfmitte aus zunächst zur Siedlung Auf dem Scheidt in Bewegung. Vor dem ersten Haus bleibt der Zug stehen. Die Bewohner bringen trotz der Morgenstunde Schnaps. Pajas Lutz Lenzen, der in einem Clownskostüm steckt und den Zug tanzend anführt, sammelt die Bratwurst ein, die Heinz Kessels und Robert Daniels auf ihrem Wurstwagen transportieren. Dann geht es weiter zum nächsten Haus — und das Spiel beginnt von vorn. Bis zum Nachmittag geht das so, lediglich unterbrochen von einer kleinen Mittagspause.

Der von Heiner Stammen, Thomas Vetter, Günter Pennart und Hans-Jürgen Schwarzer angeführte Zug ist nicht nur wegen seiner Länge ein echtes Phänomen. Außergewöhnlich ist auch die Kreativität, mit der die Jecken aus der Freien Herrlichkeit ihre Wagen gestaltet haben. Die elfköpfige Gruppe um Karl-Heinz und Stefan Raven hat beispielsweise ein „Wellnessland Neesch“ errichtet. In Bademänteln und mit Badekappe sitzen die Narren in der Sauna — für den Dampf sorgt eine Nebelmaschine.

Ingemar Weidemann, Alex Leyers, Philipp Müller, Florian Neuhausen sowie Vincent, Simon und Franz Rössler fahren einen riesigen Popeye über die Straßen. Die Allercoolsten im Dorf aber sind René Gotzen und seine Freunde, die ihr Spielzeug aus ihrer Kindheit zum Thema gemacht haben und sich als Figuren der Action-Figuren-Serie Masters of the Universe verkleidet haben. Gotzen mimt dabei He-Man, den zentralen Charakter der Serie, Alexander Hannemann den furchteinflößenden Skeletor und Martin Fink einen Kampf-Broccoli. Dazu schieben die zwölf Männer das grüne Schloss „Castle Grayskull“ an den Häusern vorbei.

Etwas weniger martialisch kommt der Freundeskreis um die Brüder Daniel und Fabian Pennart daher, sie haben ganz bodenständig ein „Feuerwehrlöschboot Neesch“ gebaut. Die als Piraten verkleideten Alte-Herren-Fußballer des SSV Strümp um Udo Möhlen begleiten den Zug zu Ehren ihres Mannschaftskameraden Prinz Bernd I. (Wolters).