Neumieter präsentieren alte Mühle

Neumieter präsentieren alte Mühle

Die Arbeiten an Büderichs ungewöhnlichstem Bauprojekt sind fast fertig, viele Bewohner bereits eingezogen. Zum Architektur-Tag am Samstag, 23. Juni, steht das Gebäude für Rundgänge offen.

Charles und Ragnhild Fränkl leben seit 20 Jahren in Büderich. Er, ein Schweizer, sie, eine Norwegerin, haben mit ihren Kindern zentral gewohnt und irgendwann mitbekommen, dass ganz in der Nähe ein Neubau-Projekt entsteht: der historische Mühlenhof an der Kanzlei. Bauträger Gerd Lichius hat das alte Gebäude gekauft und zu einem ungewöhnlichen Wohnprojekt entwickelt. Vorne ein Riegel mit 24 Neubauwohnungen, die zwischen 60 und 100 Quadratmeter groß sind, hinten das Mühlengebäude, in dem neun Wohnungen ab 165 Quadratmetern auf mehreren Ebenen entstanden.

Foto: ak

Charles Fränkl, Bewohner

Für Ehepaar Fränkl war klar: Wenn die Kinder aus dem Haus sind, verkaufen sie ihr Eigenheim und kaufen dort eine Wohnung. Gesagt, getan: Morgen kommt der Umzugswagen. Und am Samstag kann es sein, dass der ein oder andere Neugierige dann bei ihnen in der neuen Wohnung klingelt. Denn der Mühlenhof gehört zum Programm des Architektur-Tages. Von 12 bis 16 Uhr finden dort Rundgänge statt und gibt es am Streetfood-Wagen auch noch etwas zu essen.

Vier Jahre lang wurde für den 4000 Quadratmeter großen Mühlenhof geplant. Entwickler Lichius hat den Neubau-Riegel selbst gebaut, für den Altbau hat er sich Experten-Hilfe aus Düsseldorf geholt. Das Team um Andreas Knapp und Robert Tyborski vom Büro „anderswohneninderstadt“ hat bei allen Wohnungen versucht, den historischen Charme des Gebäudes von 1900 zu erhalten und mit modernen Elementen zu kombinieren. Das bedeutet, dass die Mauern zum Beispiel in der Wohnung von Familie Fränkl eben alt, der Glas-Fußboden neu ist. „Das war es auch, was uns so gut gefallen hat“, sagt Fränkl. „Dass man etwas Neues hat, was aber trotzdem an etwas Altes erinnert.“

Vor allem die unterschiedliche Nutzung des Gebäudes, das mal eine elektrisch betriebene Kornmühle, dann ein Bauernhaus, zuletzt ein Auktionshaus war, mache es so spannend, sagt Marina Roupa vom Architekturbüro zentralbau. Beim Freilegen der Mauern sei man immer wieder auf die Zeugnisse der unterschiedlichen Nutzung gestoßen, so Architekt Robert Tyborski.

Die neuen Bewohner des alten Mühlenhofs haben durchaus miteinander Kontakt: So muss aus baurechtlichen Gründen vom Balkon der Familie Fränkl eine Tür zum Nachbarn zu öffnen sein, damit im Notfall die Feuerwehr mit ihrer Drehleiter sie retten kann. Und die Dachterrasse des vierten Stocks ist gedrittelt. Mit Sichtschutz, aber trotzdem Kontaktmöglichkeiten. Die werden sicher bei der ein oder anderen Party entstehen.

Zum Beispiel, wenn der Schweizer Fränkl am 1. August seinen Nationalfeiertag anlässlich des Rütlischwurs im Jahr 1291 begeht. Spätestens dann, so hatte er beim Kauf gebeten, sollte seine Wohnung fertig sein. Hat geklappt.