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Neue Eindrücke im fernen Kaukasus

Neue Eindrücke im fernen Kaukasus

Heimatkreis Lank blickt hinter den ehemaligen Eisernen Vorhang nach Georgien und Armenien.

Meerbusch. Früher waren Reisen hinter den Eisernen Vorhang utopisch und auch gar nicht erwünscht. Seit diese Grenze gefallen ist, hat der Heimatkreis Lank immer wieder die Länder Europas im Osten besucht und spannende Einblicke gewonnen.

Dieses Jahr ging es bei der 13. Begegnungsreise in den Kaukasus nach Armenien und Georgien. Als „Balkon Europas“ bezeichnet sich beispielsweise Georgien, die Heimat von Stalin und Eduard Schewardnardse. Auch Armenien ist als erstes christliches Land der Welt mit der Kultur Mitteleuropas eng verbunden.

Die Gruppe aus Meerbusch unter der Leitung des Heimatkreis-Vorsitzenden Franz-Josef Radmacher wurde in beiden Ländern jeweils von einer jungen Reiseführerin begleitet, die aus unterschiedlichen Gründen vier Jahre in Deutschland verbracht hatten.

Zara aus Armenien lebte als Schülerin mit ihren Eltern auf Rügen — ein Beispiel für die Tendenz vieler Armenier, im Ausland ihr Glück zu suchen und von dort aus die Heimat zu unterstützen. Chatuna aus Georgien war dagegen als Studentin in München, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern.

Als „eine einmalige Reise“ empfanden die Besucher aus Lank ihre Fahrt in den Kaukasus. Beeindruckend war nicht nur die grandiose Landschaft mit Bergen bis über 5000 Metern, sondern auch das pulsierende Leben in den Städten. Dazu sahen die Meerbuscher Klöster in archaischer Einfachheit und solche mit filigraner Ornamentik und farbenfrohen Fresken.

Begeisterung fanden nicht zuletzt uralte Handschriften und goldener Schmuck aus dem 3. Jahrtausend vor Christus sowie die Höhlenwohnungen im georgischen Gori, wo schon vor über 2000 Jahren Apotheken und Weinkeltereien bestanden. Ein weiterer Höhepunkt war die Begegnung mit dem armenischen Katholikus, dem Oberhaupt der dortigen orthodoxen Kirche.

Überaus spannend war es zudem zu erfahren, wie sich das Leben nach der Auflösung der Sowjetunion entwickelt hat — nämlich zunächst chaotisch, inzwischen aber, besonders in Georgien, zunehmend rasant. Den Autoverkehr in der Hauptstadt Tiflis kann man zum Beispiel getrost mit hiesigen Verhältnissen vergleichen.

Die Entwicklung in Armenien leidet dagegen unter den unüberbrückbaren Differenzen mit dem Nachbar Türkei, das weiterhin den Genozid am armenischen Volk leugnet. Die Beziehung zu Aserbaidschan ist wegen Gebietsstreitigkeiten ebenfalls nicht unproblematisch. Eine der Folgen: Armenien setzt mit Unterstützung Russlands auf die Atomkraft, während Georgien Öl und Gas aus Aserbeidschan bezieht. Die Furcht, erneut zum Spielball des großen Nachbarn Russland zu werden, ist in Georgien spätestens seit dem Krieg 2008 um Süd-Ossetien mit Händen zu greifen.

Aber auch die Beziehungen zu den Deutschen sind nicht unbelastet. „Mein Opa war als Kriegsgefangener vier Jahre im KZ Dachau“, berichtete die georgische Reiseleiterin. „Und deutsche Kriegsgefangene lebten in unserer Familie.“ Viele Georgier sind damals im „Großen Vaterländischen Krieg“ gefallen. Viele Deutsche arbeiteten und starben als Kriegsgefangene in Georgien und Armenien.

Um ihrer zu gedenken, legte die Reisegruppe am Tag der deutschen Einheit auf einem Soldatenfriedhof Blumen nieder. Eigentlich gab es auf dieser schönen Reise nur ein Problem: Wie kommen die Postkarten nach Deutschland, wenn es keine Briefkästen gibt?